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Leben in London
Leben in London
08. Jan
Nicht dass es etwas Neues gaebe.
Mein aktuelles Zimmer habe ich zum Monatsende gekuendigt, habe also noch locker drei Wochen Zeit etwas Neues zu finden
Problem dabei: von den angebotenen Zimmern in meiner Preisklasse sind maximal 10% wirklich annehmbar (damit meine ich einigermassen zeitgemaesse Einrichtung, eine als vorhanden zu bezeichnende Anbindung an den oeffentlichen Nahverkehr, mehr als nur ein einziges Badezimmer fuer 6 Leute und solche Spaesschen). Schreibe ich die Annoncierer an, bekomme ich keine Antwort. Irgendwas mache ich wohl falsch.
Dafuer bekomme ich auf meine Suchanzeige lauter Angebote, die mir nicht zusagen (Begruendung siehe oben).
Was man da alles zu sehen bekommt: Zimmer mit Doppelbetten quer im Raum mit dahinter stehender Couch, Dusche im Zimmer, Zimmer fuer £1200 pro Monat (dafuer kann man in manchen Gegenden ein ganzes Reihenhaus mieten), Haeuser, die seit mindestens 20 Jahren keine Renovierung mehr gesehen haben, “Box rooms”, in denen man allenfalls die Kleiderschranktueren oeffnen kann, fuer mehr ist kein Platz. Aber alles zu Preisen, fuer die man in Berlin problemlos eine 50qm-Wohnung mieten koennte.
Einen schicken Raum habe ich gefunden, weiter Richtung Norden, in South Woodford. Nicht gerade zentral, noch dazu in der naechsten Tarifzone, aber ein grosser und mit meinem jetzigen Zimmer vergleichbarer Raum unter dem Dach mit reichtlich Stauraum aber ohne Kleiderschrank mangels gerader Waende und natuerlich auch ohne eigenes Bad, aber das ist finanziell eh nicht in Reichweite. Der Vermieter ist nicht erreichbar, seine Voicemailbox voll, die Miete zwischen £50 und £100 ueber meinem Maximum. Dafuer mit 32″ Fernseher (unnoetiger Luxus) mit 500 SkyTV-Programmen inkl. Film- und internationalen Kanaelen. Nett, aber ebenfalls unnoetig, treibt nur die Miete hoch.
Gerade kam ein Angebot herein, das ganz gut klingt. Fehlende Bilder vom Raum sind leider an der Tagesordnung, verstehe ich nicht. Ich kann doch auch kein Auto verkaufen ohne Bilder. Oder was?
Wie waer’s mit der 22. Etage eines Hochhauses unmittelbar am Bahnhof Stratford? Hochhaus wollte ich immer schonmal, das fehlt mir noch in meiner Sammlung ungewoehnlicher Schlafstaetten. Der Preis stimmt einigermassen, vor allem unter Beruecksichtigung der superzentralen Lage.
Eine Bewerbung laeuft noch in Hackney, dort ist aber heute erster Besichtigungstermin fuer die Bewerber, die schneller waren als ich. Erst wenn da kein passender Mann dabei ist, bekomme ich (und vermutlich noch andere) eine zweite Chance. Einschraenkung: ich waere der einzige Mann unter drei Frauen…
23. Dez
Well, driving is the wrong word, I’m actually travelling by coach and plane.
Aber erstmal zum Flughafen kommen!
Ich sitze gerade im Reisebus zum Luton Airport, was kein einfaches Unterfangen war. Mein Nachtbus in die City sollte um 2:56 abfahren. Als ich 6min früher die Haltestelle erreichte, legte er gerade ab. Ohne mich. Ich bin sicher, der Fahrer hat mich rennen sehen.
So habe ich dann meine erste Taxifahrt in London angetreten, das cab kam zufällig die Strasse entlang. Flag stop und die schwarze Londoner Ikone war meine. Jedenfalls dieses eine Exemplar der über 20.000. Mit steigendem Fahrpreis wurde ich mir immer sicherer, dass ich meine Fahrt bei passender Gelegenheit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fortsetzen würde. £25 nur bis zum östlichen Rand der Innenstadt waren mir jedenfalls genug. Gesagt, getan, am Tower of London ließ ich mich absetzen. Es ist kaum eine Erwähnung wert, daß der nächste Nachtbus bereits vorzeitig abgefahren war, so daß ich warten mußte, 20 Minuten. Umsteigen am Trafalgar Square, dann endlich Marble Arch. Ein Blick auf die Uhr: 4.08! Schockschwere Not, Abfahrtzeit des Reisebusses war für 4.09 angesetzt und siehe da, nach weniger als einer Minute kam er. Das war knapp!
Ich bin gespannt wie es weitergehen wird.
13. Dez
Nu isses raus: mein landlord will dicke Knete machen waehrend der Olympischen Spiele, die nur ab etwa 1km Luftlinie von hier stattfinden werden. Es ist ja nicht so, dass dies nun voellig ueberraschend kaeme (es war wenigstens zu befuerchten), aber die Enttaeuschung macht sich doch breit.
Waehrend der Spiele ist es offenbar realistisch moeglich, z.B. unser Haus, das derzeit etwa £2,200 Ueberschuss aus Mieten erwirtschaftet, zum drei- bis vierfachen Preis an z.B. Reporter, TV-Crews usw. zu vermieten. So ist das ganze zwar nachvollziehbar, aber moralisch doch arg bedenklich.
Was soll’s, Truebsalblasen fuehrt auch nicht zum Ziel, also muss ich mich mal wieder auf die Suche machen. Mein geliebtes East London wird wohl aufgrund exakt derselben Problematik unerschwinglich werden, es wird hier auch ohnehin fast nichts angeboten, seltsamerweise. Der noble Westen scheidet aus, bleiben noch die Himmelsrichtungen Norden und Sueden (alles unterhalb der Themse ist Sueden, egal ob West oder Ost). Ein Londoner zieht aber nie vom Norden der Stadt in den Sueden (und umgekehrt), das macht man einfach nicht. Aber bevor ich auf der Strasse stehe…
Naechstes Problem: meine Ansprueche. Ich wohne derzeit fuer hierzustadt auesserst guenstige £475 inkl. aller Nebenkosten in einem ausgebauten Dachgeschoss mit eigenem kleinen Bad, habe in der Drempelkammer Unmengen an Staumoeglichkeiten und auch sonst ist das Zimmer fuer hiesige Verhaeltnisse recht grosszuegig geschnitten und sehr hell dank Dachfenster auf der Nord- und normalem Fenster auf der Suedseite. Das Haus ist erst vor 2 Jahren renoviert worden, alles auf recht hohem Niveau. Die 4 Mitbewohner im Haus sind fast nie zu hoeren, man trifft sich 1x die Woche, oder auch 2x, morgens in der Kueche oder abends auf der Treppe, sehr angenehm. Auch draussen ist es totenstill des nachts, wenn nicht gerade die alkoholseligen Nachbarn zur linken ihrer Sucht im Garten nachgehen oder sich die jamaikanischen Nachbarn auf der anderen Seite die neuesten jamaikanischen Witze und Schwanks zubruellen. In 10 Minuten bin ich per Bus an der Central Line, die mich in oder durch die Londoner Innenstadt faehrt, zu Fuss in 12 Minuten am Bahnhof, von wo aus ich innerhalb von 10 Minuten in Liverpool Street Station bin oder per Bus in 10 Minuten in Stratford, von wo ich aus zwei Tube Linien, diversen Eisenbahnverbindungen, der Docklands Light Railway (DLR) oder der London Overground (S-Bahn) waehlen kann, von etwa 15 Buslinien mal ganz zu schweigen. Gleich dahinter ragt das neue Super-Einkaufszentrum Westfield auf. Ich mag die Gegend, sie wird aufgehuebscht fuer die Spiele, den Bewohnern scheint das ebenfalls zu gefallen.
Etwas Vergleichbares zu finden, ist beinahe unmoeglich. Noch dazu werden Umzuege hier nicht auf Wochen oder gar Monate im Voraus geplant, man kuendigt vielmehr seinen Mietvertrag und hat im besten Fall etwa 8 Wochen Zeit (laufender Monat + 1 Monat Kuendigungszeit). Angebotene Raeume sind aber in aller Regel sofort bezugsfertig oder aber in sehr naher Zukunft, so innerhalb von 1 bis 3 Wochen, fast nie darueber hinaus.
Ich haette Zeit bis Ende Juni 2012, mit Vorruecken des Kalenders gen Olympische Spiele duerfte es jedoch immer schwieriger werden etwas zu finden, daher werde ich vermutlich bereits zu Ende Februar kuendigen und muss bis dahin etwas gefunden haben. Wird schon werden, aber ich habe keine Lust auf die Abstriche. Was soll’s, das gehoert wohl dazu.
Achso, eine Wohnung kann man sich hier mit normalem Gehalt nicht leisten, unter etwa £700 bekommt man – wenn ueberhaupt – ein Rattenloch oder eine Wohnung im Keller, ohne Fenster oder mit Glueck mit einem kleinen Lichtschacht. So bleiben nur sogenannte flatshares oder houseshares, also WGs in Wohnungen oder Haeusern; wenn man ziemlich arm dran ist, kann man sich fuer etwa £50 pro Woche (Mieten werden hier eigtl. fast immer wochenweise angegeben und oft auch gezahlt) auch ein Zimmer mit einem Fremden teilen (roomshare). Ich glaube in einem solchen Fall wuerde selbst ich wieder nach Deutschland ziehen, und das will etwas heissen!
04. Dez
Kaum kommt mal Besuch aus Berlin, schon lernt man wieder etwas mehr vom Land kennen. In erster Linie war Ralf angereist, um den alten Doppelstock-Strassenbahnen in Blackpool Aufwiedersehen zu sagen, doch daraus wurde nix. Dazu spaeter mehr.
Freitags (11.11.11!) machten wir uns nach einem ordentlichen Fruehstueck mit dem Auto auf die Reise. Blackpool liegt 260m (Meilen, Meter werden mtr abgekuerzt, Anmerkung der Redaktion) von hier entfernt, das sind knapp ueber 400km. Seltsamerweise wurde es gegen Mittag immer dunkler, wir fuerchteten schon eine Vorverlegung des 2012er Weltuntergangs oder die Ankunft eines unerwarteten solchen. Gluecklicherweise handelte es sich wohl nur um Nebel, der sich wahrscheinlich von knapp ueber der Erdoberflaeche bis kurz vor die Sonne auftuermte.
Blackpool war dann irgendwann erreicht, das Auto geparkt und wir machten uns auf zur Promenade (Blackpool ist ein Seebad am Atlantik noerdlich von Liverpool). Die Strassenbahn erfuellt hier in erster Linie touristische Zwecke und verkehrt nur parallel zur Kueste von einem Vergnuegungspark im Norden zu einem anderen im Sueden. Je nach Fahrtrichtung links oder rechts Wasser und auf der anderen Seite unzaehlige Spielsalons und andere Amusements. Kurz: 50% der Aussicht sind nett, auf den Rest kann man getrost verzichten, zumal bei dunkel-truebem Wetter, der zentrale Aussichtsturm verdient damit auch keinen Besuch.
Wie auch immer (1), unsere Hauptattraktion, alte Strassenbahnen, wie sie eigentlich auf den Gleisen da oben verkehren, waren nirgends zu sehen. Eine kurze Googelung brachte Erstaunliches hervor: die Dinger waren bereits am Wochenende zuvor letztmalig im Einsatz gewesen, es folgt eine Winterpause bis Ostern 2012, nach der dann allerdings brandneue Standardzuege zum Einsatz kommen werden. Wie schade. Haette man ja auch mal eher nachsehen koennen, wenn man schon weiss, dass sowas auf der Abschussliste steht.
Wie auch immer (2), wir folgten den Gleisen entlang dem einzigen Abzweig und gelangten sehr bald zum alten Strassenbahnhof, wo wir dann doch noch fuendig wurden.
In natura waren die Dinger schaerfer, das sei der Vollstaendigkeit halber hier angemerkt. Dies ist auch nur ein kleiner Ausschnitt aus dem vollen Programm. Es musste alles schnell gehen, denn das fuer eine Lkw-Durchfahrt offene Tor sollte sehr bald wieder geschlossen werden. Daher muss ich mich (und Ihr Euch) mit unscharfen Bildern begnuegen, sorry.
Des wunderschoenen Seebades ueberdruessig, verliessen wir nach kurzem Snack und dem Beiwohnen der spektakulaeren (naja) Farbwechsel beim Anstrahlen des Turms die Stadt gen Liverpool, das wir bei stroemendem Regen erreichten. Ein Hotel hatte ich bereits online ueber ein Portal gebucht, das last-minute-Raeume in hoeherpreisigen Hotels anbietet, dieses war ein Doppelzimmer mit getrennten Betten fuer £57 inkl. Fruehstueck im Thistle Tower Hotel. Der Raum war nicht supersauber, aber ansonsten sehr ok.
Liverpool war ja bekanntlich Industrie- und Hafenstadt, davon ist allerdings nichts mehr uebrig. Die Stadt ist durch den von der weltberuehmten Faehre ueberquerten Mersey zweigeteilt, wobei der urspruengliche alte Teil auf dem “Festland” liegt und eingemeindete Bereiche auf einer Landzunge, die den Fluss vom Atlantik trennt, bis er an ihrer Spitze endlich sein Ziel erreicht. Wir haben zumindest bewusst keine alten Industriegebaeude gesehen, die Uferlinie des eigentlichen Liverpool ist wenigstens im Innenstadtbereich weitgehend von alter Gewerbebebauung beraeumt, ubrig sind nur ein paar sehenswerte kleinere Klinkerbauten wie z.B. das Pump House. Das komplett von ehemaligen Lagerhaeusern umgebene Albert Dock ist als Weltkulturerbe geschuetzt und renoviert worden, nebenan entstand das neue Museum of Liverpool und nicht weit davon die Tate Liverpool (Museum fuer moderne Kunst) und The Beatles Story. Weiter Richtung Norden reihen sich das Port of Liverpool Building, das Cunard Building (Reederei der Titanic) und das Liver Building (sprich: leiver) mit den beiden Liver Birds, die Wappentiere der Stadt, auf den Spitzen der beiden Tuerme. Suedlich des Albert Dock schliesst sich ein Messe- und Veranstaltungsgelaende an, das auch das Riesenrad Liverpool Big Wheel beinhaltet nach dem Vorbild des London Eye.
Weiter landeinwaerts haelt die Stadt eine sehr grosszuegige Fussgaengerzone mit breiten Strassen bereit, die aber genau so auch in Bielefeld oder Hannover sein koennte, so gesichtslos ist sie. Aeltere Gebaeude gibt es zuhauf, meistens schoen zurechtgemacht, aber irgendwie wollte der Funke bei mir nicht ueberspringen. Kein Charme. Von der natuerlich besuchten Mersey-Faehre aus hatten wir eine dicke Kirche auf einem Huegel entdeckt, die wir nun besuchen wollten. Diese stellte sich als die Liverpool Cathedral vor, die weltweit laengste Kathedrale, erst 1978 fertiggestellt. Sie hat weitere Superlative zu bieten wie z.B. das welthoechste Turmgewoelbe (es IST hoch!), eine der (wenn nicht die) groesste betriebsfaehige Kirchenorgel mit mehr als 10,000 Pfeifen und das 31.5t schwere Gelaeut ist das hoechste und groesste der Welt. Nicht viele Kirchen beeindrucken mich, vor allem sueddeutsche Kitschkirchen mag ich ueberhaupt nicht. Diese aber hat mir schwer imponiert, einen Besuch kann ich sehr empfehlen. Wir hatten waehrend der mehr als 2 Stunden Aufenthalt auch das Vergnuegen, dem Gesang eines aus etwa 10 Menschen bestehenden Chorals beizuwohnen, hier und da unterstuetzt von der massiven Orgel, deren offenbar groesste Pfeife es schafft, das Holzgestuehl zum Vibrieren zu bringen.
Eine Turmbesteigung, zweieinhalb Stunden und etliche Bilder spaeter machten wir uns auf den Weg zurueck zum Auto, um die dritte und letzte Stadt fuer dieses verlaengerte Wochenende zu anzusteuern: Birmingham.
Birmingham ist nach London mit ueber 1Mio Einwohnern nicht nur die zweitgroesste Stadt der UK, sondern bildet als Zentrum der West Midlands auch (nach London) den groessten Ballungsraum mit fast 3.7Mio Einwohnern und (nach London
) den groessten zusammenhaengenden urbanen Bereich mit gut 2.3Mio Einwohnern, ansatzweise mit dem Ruhrgebiet vergleichbar.
Die West Midlands waren im Zeitalter der Industrialisierung stark gepraegt von Steinkohleabbau und Schwerindustrie, also auch hier wieder Parallelen zum Ruhrgebiet. Sie werden gebildet vor allem aus den Staedten Birmingham, Wolverhampton, Solihull, Coventry, Dudley, Walsall und Sandwell. Von Industrie ist allerdings ausser einigen Ueberbleibseln nicht mehr allzuviel zu sehen, wenngleich diese Gegend nach wie vor die mit der groessten industriellen Dichte ist.
In Birmingham, das von seinen Bewohnern auch “Brumm” (mit u=u und nicht u=a) genannt wird, wartete ein nettes und ganz neues Tagungshotel auf uns, die Zimmer waren sehr nett eingerichtet mit Doppelbett, sehr dunkler Einbauschrankwand, die auch einen gut 3m lange Arbeitsflaeche mit dahinter auf ganzer Laenge und Hoehe angebrachter Spiegelflaeche beinhaltete, und einem Sessel. Die Stoffe sind in einem hellen Gruen gehalten, sehr schoen alles. Gebucht waren die Zimmer wieder ueber eine Last-Minute-Internetagentur fuer £87 inkl. Fruehstueck (Gesamtpreis). Abends, es war bereits dunkel und wir waren gut erschoepft von Liverpool, legten wir nur den recht kurzen Weg in die City in den naechstbesten Wetherspoon’s pub zurueck, assen dort und fielen danach ins Bett. Der Morgen begruesste uns mit einem leckeren Frueshtuecksbuffet, das es an fast nichts fehlen liess. Unser erster Eindruck bei Tageslicht war dieser:
Dies ist ganz offensichtlich ein mehr oder weniger ungenutztes Parkhaus mit ungenutztem Buerohaus on top. Architektonisch finde ich das ganze sehr ansprechend, es will aber irgendwie nicht in die Gegend passen. In Birmingham wird gebaut, gebaut und, aeh, gebaut. Ganz viel ist schon ganz neu, vieles wird noch. Ob dieses landmark stehen bleiben darf, entzieht sich meiner Kenntnis, ich habe nichts darueber im Internet gefunden.
Als naechstes fielen viele mehr oder weniger leere Flaechen in der Stadt auf, die oftmals als Parkplatz genutzt werden, gern auch mit angrenzenden Ruinen. Das erinnert mich an Bielefeld der 70er und 80er Jahre, da gab’s solche Gegenden auch hier und da.
Naechste Station: Birmingham Moor Street Station, ein sehr nett restaurierter Bahnhof, der auf technischen Schnickschnack und moderne Beschilderung entweder komplett verzichtet oder sie gut versteckt.
Die Einkaufsstrasse und das grosse neue Einkaufszentrum sparten wir aus und machten uns weiter auf die Pirsch nach interessanten Gebaeuden. Wir wurden sehr schnell fuendig:
Dies ist New Street Station, wunderhuebsch, wieder aber in Kuerze abgerissen und soll einem ultramodernen Bahnhofsgebaeude in unregelmaessigen organischen Formen mit verspiegelter Edelstahlhuelle Platz machen:

Mein Foto entstand von der linken der beiden Strassen quer ueber die Gleise. Was mit dem alten Odeon-Kino auf dem ersten Bild passieren wird, weiss ich leider nicht.
Das naechste sehenswerte Ensemble erwartete und gleich hinter dem Bahnhof:
Staedtebaulich und architektonisch sicher nicht uninteressant, aber ob man sowas heute noch in einer modernen Stadt haben moechte?
Um nicht mein ganzes Fotoalbum hier zu zeigen, schneide ich das ganze mal ab. Birmingham hat mir sehr gut gefallen, trotz der vielen Neubauten ist das eine ehrliche Stadt ohne viel Glanz, man sieht ihr die Vergangenheit als Arbeiterstadt an vielen Stellen (noch) an, das wird sich aber sicher innerhalb der naechsten zehn Jahre aendern. Grund genug, der Stadt noch den einen oder anderen Besuch abzustatten. Nicht zuletzt befindet sich ja im unmittelbaren Einzugsgebiet mein Lieblings-Freiluftmuseum, das Black Country Museum. Weiter reizvoll ist das Kanalnetz, das bis zur Themse im Sueden, Wales im Westen, Manchester im Norden und bis zur Ostkueste reicht und hier sein Zentrum hat. Technisch interessante, fuer den Schiffer aber sehr zeitraubende und kraeftezehrende (weil manuell betaetigte) Schleusentreppen sind Bestandteil des allein innerhalb des Stadtgebiets 35 Meilen (56km) umfassenden Netzes.
Fotoalben gibt’s hier zu sehen:
04. Dez
Gestern ging’s weiter… die bestellten Klempner standen, naja, nicht ganz, puenktlich auf der Matte. Nach Besichtigung wurde Material besorgt und das Rohr getauscht, was aber erhebliche koerperliche Anstrengung bedingte, war das Rohr doch vor etwa 80 oder 90 Jahren mal in den gusseisernen unten anschliessenden 90-Grad-Rohrbogen eingeschraubt worden. Nach ordentlicher Erhitzung auf Rotglut mit der Loetlampe bewegte sich das Viech dann doch. Adapter und neues Kupferrohr waren blitzschnell eingesetzt und das Wasser aufgedreht… Das lief gleich wieder in den Keller: der erwaehnte Rohrbogen war naemlich an seiner Unterseite ebenfalls durchgerostet, das war vorher nicht direkt ersichtlich bzw. er wurde auch nicht weiter untersucht, weil das durchgerostete Rohr etwas weiter oben ganz offensichtlich der Grund fuer den Wasserverlust war. Damit waren die beiden mit ihrem Latein am Ende, denn eine Reparatur an der Stelle ist nicht ohne weiteres moeglich, es liegt zumal nahe, dass das im Mauerwerk verlaufende Rohr kein bisschen besser aussehen wird und wer weiss wie es sich mit der Hauptzuleitung, von der dieses Rohr offenbar abzweigt, verhaelt?
Die naechsten Klempner waren dann um 17 Uhr vor Ort, konnten aber auch nicht viel ausrichten. Der zweite vorhandene Wasseranschluss von aussen im Bierkeller wurde nun als Einspeisung auserwaehlt und 30m PE-Rohr an der Decke entland durch das halbe Untergeschoss verlegt und an das neue Rohr vom Vormittag angeschlossen, damit war wenigstens unsere Wasserversorgung und die der Kueche des Restaurants ueber uns wiederhergestellt. Wie es sich mit dem benachbarten Wettbuero und dem restlichen Restaurant oben verhaelt werden wir am Montag sehen (ich nicht, ich mache frei, ha!)…
Fakt ist nun also, dass der Hauptstrang draussen wenigstens neu angezapft, wenn nicht gar erneuert, werden muss. Das verspricht noch interessant zu werden…