Leben in London
Busfahren
Geschaetzte 99.9% der deutschen oder britischen Bevoelkerung duerften das Busfahren einerseits passiv und andererseits mehr oder weniger geduldig ueber sich ergehen lassen. In meinem Bekanntenkreis ist jedoch ein nicht unerheblicher Anteil auch aktiv taetig, Hobbybusfahrer zumeist.
Ich bin ja auch so einer. In Berlin bin ich regelmaessig zumeist Schulbus gefahren, spaeter kam ich dann auch in den Genuss, diverse englische Busse in Berlin bewegen zu koennen:
Dieser hier war mein persoenliches Fitnessgeraet: Leyland PD3 No.311 (PHJ950) von 1958 aus Southend-on-Sea an der Suedostkueste von Essex/England. 10l Sechszylinder (Direkteinspritzer) mit sportlichen 110PS. Keine Servolenkung, dafuer mit ordentlich schwergaengiger Schaltung (unsynchronisiert natuerlich), die Kupplung muss beim Hochschalten zweimal getreten werden (Kupplung treten, Gang herausnehmen, Kupplung loslassen, Kupplung treten und – schnell! – naechsten Gang einlegen. Wenn man’s kann, kann man sich das erste Treten sparen. Zwischengas beim Hochschalten ist Unsinn und kontraproduktiv, beim Herunterschalten jedoch unumgaenglich: Kupplung treten, Gang herausnehmen, Kupplung loslassen, ordentlicher Gasstoss, Kupplung treten und – schnell! – den gewuenschten Gang bei Uebereinstimmung der Drehzahlen von Getriebeeingangs- und -ausgangswellen einlegen
). Bei ordentlicher Auslastung des Busses mit Fahrgaesten wird das Fahren echt zum Kraftakt.
Ein Routemaster! RM98, aus dem ersten Baujahr 1958, aber ungleich moderner als der Leyland aus demselben Baujahr: vollautomatisches Getriebe, Servolenkung, Einzelradaufhaengung mit Doppelquerlenkern vorn, Spiralfedern vorn und hinten. Ebenfalls 10l Hubraum aus sechs Zylindern, ca. 120PS. Leergewicht von nur knapp 7 Tonnen dank Aluminium-Integralbauweise. Hochmodern war der Bus damals, die letzten ihrer Art waren regulaer bis 2005 im Einsatz, heute fahren noch 20 Stueck in London auf zwei Museumslinien in der City, nach ueber 50 Jahren im Einsatz eine reife Leistung. Noch immer sind gut und gerne 400 Stueck (von ehemals ueber 2,800) erhalten und auf der ganzen Welt im Einsatz oder im Museum oder im Garten oder….
Jaha, das bin ich in RML2289. Das “L” steht fuer long, wurden die Routemaster ab 1965 in einer etwas laengeren Ausfuehrung gebaut. Ansonsten waren sie voll und ganz identisch. Dieser hier (wie fast alle weiteren seiner Art) bekam 1991 einen modernen Dieselmotor von Cummins, als es nach 30 Jahren fuer die originale AEC-Maschine keine Ersatzteile mehr gab.
So sah er damals von aussen aus: mit grossen Werbetafeln auf beiden Seiten fuer das BoneyM Musical “Daddy Cool”.
Den hier, RML2386, habe ich ja regelmaessig in London durch die Gegend gefahren, das war ja mein Job (nach Ausbau zum Restaurant).
Wer Busfahren mag und Routemaster im Besonderen, der moechte sowas regelmaessig fahren, das macht naemlich Spass! Die Dinger sind unglaublich wendig dank ihrer geringen Laenge (um 9m) und der weit vorn angeordneten Vorderachse.
Und genau das will ich nun hier fortsetzen. Eine Firma im Suedosten, in Kent, sucht Freizeitbusfahrer fuer Routemaster und deren Vorlaeufer RT (ganz oben auf der Seite im roten Bereich zu sehen) bei angemessener Bezahlung, da werde ich demnaechst mal zum Probefahren antreten. Daumen druecken!
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von Björn am 16. Juli 2011 um 16:12 veröffentlicht und unter Allgemein, Busse, Routemaster abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |




