Leben in London
Allgemein
Tiger Loaf
23. Feb

Das ist ein Tiger Bread, ein mit Sesamoel zubereitetes einfaches Weissbrot aus recht schwerem, saftigem Hefeteig (ganz wie ich es mag). Die charakteristische Kruste wird durch das Bestreichen des Brotlaibs mit Reispaste vor dem Backen erreicht, die dem ganzen Brot auch ein typisches Aroma verleiht.
Erst kuerzlich hat die Supermarktkette Sainsbury’s ihr Tiger Bread in Giraffe Bread umbenannt: ein Kind hatte einen Brief an das Unternehmen geschrieben und nach dem Ursprung des Namens gefragt und ob es denn nicht besser Giraffenbrot heissen sollte, denn mit Tigerstreifen hat das Muster ja wirklich nicht viel gemeinsam….
Nach 30 Monaten auf der Insel ist dies nun mein erstes eigenes Tiger Bread. Boah.
Driving home for Christmas…
23. Dez
Well, driving is the wrong word, I’m actually travelling by coach and plane.
Aber erstmal zum Flughafen kommen!
Ich sitze gerade im Reisebus zum Luton Airport, was kein einfaches Unterfangen war. Mein Nachtbus in die City sollte um 2:56 abfahren. Als ich 6min früher die Haltestelle erreichte, legte er gerade ab. Ohne mich. Ich bin sicher, der Fahrer hat mich rennen sehen.
So habe ich dann meine erste Taxifahrt in London angetreten, das cab kam zufällig die Strasse entlang. Flag stop und die schwarze Londoner Ikone war meine. Jedenfalls dieses eine Exemplar der über 20.000. Mit steigendem Fahrpreis wurde ich mir immer sicherer, dass ich meine Fahrt bei passender Gelegenheit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fortsetzen würde. £25 nur bis zum östlichen Rand der Innenstadt waren mir jedenfalls genug. Gesagt, getan, am Tower of London ließ ich mich absetzen. Es ist kaum eine Erwähnung wert, daß der nächste Nachtbus bereits vorzeitig abgefahren war, so daß ich warten mußte, 20 Minuten. Umsteigen am Trafalgar Square, dann endlich Marble Arch. Ein Blick auf die Uhr: 4.08! Schockschwere Not, Abfahrtzeit des Reisebusses war für 4.09 angesetzt und siehe da, nach weniger als einer Minute kam er. Das war knapp!
Ich bin gespannt wie es weitergehen wird.
Busfahren
16. Jul
Geschaetzte 99.9% der deutschen oder britischen Bevoelkerung duerften das Busfahren einerseits passiv und andererseits mehr oder weniger geduldig ueber sich ergehen lassen. In meinem Bekanntenkreis ist jedoch ein nicht unerheblicher Anteil auch aktiv taetig, Hobbybusfahrer zumeist.
Ich bin ja auch so einer. In Berlin bin ich regelmaessig zumeist Schulbus gefahren, spaeter kam ich dann auch in den Genuss, diverse englische Busse in Berlin bewegen zu koennen:
Dieser hier war mein persoenliches Fitnessgeraet: Leyland PD3 No.311 (PHJ950) von 1958 aus Southend-on-Sea an der Suedostkueste von Essex/England. 10l Sechszylinder (Direkteinspritzer) mit sportlichen 110PS. Keine Servolenkung, dafuer mit ordentlich schwergaengiger Schaltung (unsynchronisiert natuerlich), die Kupplung muss beim Hochschalten zweimal getreten werden (Kupplung treten, Gang herausnehmen, Kupplung loslassen, Kupplung treten und – schnell! – naechsten Gang einlegen. Wenn man’s kann, kann man sich das erste Treten sparen. Zwischengas beim Hochschalten ist Unsinn und kontraproduktiv, beim Herunterschalten jedoch unumgaenglich: Kupplung treten, Gang herausnehmen, Kupplung loslassen, ordentlicher Gasstoss, Kupplung treten und – schnell! – den gewuenschten Gang bei Uebereinstimmung der Drehzahlen von Getriebeeingangs- und -ausgangswellen einlegen
). Bei ordentlicher Auslastung des Busses mit Fahrgaesten wird das Fahren echt zum Kraftakt.
Ein Routemaster! RM98, aus dem ersten Baujahr 1958, aber ungleich moderner als der Leyland aus demselben Baujahr: vollautomatisches Getriebe, Servolenkung, Einzelradaufhaengung mit Doppelquerlenkern vorn, Spiralfedern vorn und hinten. Ebenfalls 10l Hubraum aus sechs Zylindern, ca. 120PS. Leergewicht von nur knapp 7 Tonnen dank Aluminium-Integralbauweise. Hochmodern war der Bus damals, die letzten ihrer Art waren regulaer bis 2005 im Einsatz, heute fahren noch 20 Stueck in London auf zwei Museumslinien in der City, nach ueber 50 Jahren im Einsatz eine reife Leistung. Noch immer sind gut und gerne 400 Stueck (von ehemals ueber 2,800) erhalten und auf der ganzen Welt im Einsatz oder im Museum oder im Garten oder….
Jaha, das bin ich in RML2289. Das “L” steht fuer long, wurden die Routemaster ab 1965 in einer etwas laengeren Ausfuehrung gebaut. Ansonsten waren sie voll und ganz identisch. Dieser hier (wie fast alle weiteren seiner Art) bekam 1991 einen modernen Dieselmotor von Cummins, als es nach 30 Jahren fuer die originale AEC-Maschine keine Ersatzteile mehr gab.
So sah er damals von aussen aus: mit grossen Werbetafeln auf beiden Seiten fuer das BoneyM Musical “Daddy Cool”.
Den hier, RML2386, habe ich ja regelmaessig in London durch die Gegend gefahren, das war ja mein Job (nach Ausbau zum Restaurant).
Wer Busfahren mag und Routemaster im Besonderen, der moechte sowas regelmaessig fahren, das macht naemlich Spass! Die Dinger sind unglaublich wendig dank ihrer geringen Laenge (um 9m) und der weit vorn angeordneten Vorderachse.
Und genau das will ich nun hier fortsetzen. Eine Firma im Suedosten, in Kent, sucht Freizeitbusfahrer fuer Routemaster und deren Vorlaeufer RT (ganz oben auf der Seite im roten Bereich zu sehen) bei angemessener Bezahlung, da werde ich demnaechst mal zum Probefahren antreten. Daumen druecken!
Es regnet
29. Sep
Draußen regnet’s, drinnen weht ein eisiger Wind: Trouble in der WG, weil ich mich erdreistet habe mich darüber zu mokieren, daß ich regelmäßig nachts nicht schlafen kann, weil die lieben Mitbewohner ein Saufgelage in der benachbarten Küche abhalten. Ebenso auf meine Ablehnung stoßen ein regelmäßig vollgepinkeltes Klo, die Tatsache, daß ich die einzige Badezimmer-Putzkraft bin und ein wahlweise mit dreckigem oder sauberem Abwasch vollgestopftes Spülbecken. Typische WG-Probleme, aber gerade werde ich als Sensibelchen hingestellt und das schmeckt mir nicht.
Es geht wieder los. Besser: jetzt geht’s los.
28. Sep
Der im letzten Eintrag angekündigte Umzug nach England ist nun seit über 13 Monaten Geschichte. Der erste wenigstens, danach kamen ja noch mehrere, alles in meinem Blog zum Thema nachzulesen. “Willi” ist nun nicht mehr mobil, ich bin seßhaft geworden, lebe nach 2 1/2 Jahren im Lkw wieder in einem massiven Haus und bin damit nicht nur glücklich. Was soll’s.
Rote Busse bestimmen mein Leben natürlich auch weiterhin nachhaltig. Ende Oktober werde ich mein Arbeitsverhältnis mit dem Foodmaster beenden, dann liegen aber immerhin 13 Monate Leben rund um und teilweise im roten Routemaster hinter mir. Weil’s hierher paßt, werde ich das irgendwann nochmal aufarbeiten und hier präsentieren.
Die Zukunft bringt nun vielleicht einen Job hinterm Lenkrad “richtiger” Londoner Busse mit echten Fahrgästen und so. Und wer weiß, vielleicht bringe ich es ja sogar zum Routemaster-Fahrer auf einer der Heritage Routes, Teilstücken der Linien 9 und 15.
Wie auch immer, dieser Blog wird nun endlich mit Leben gefüllt, während “Willi mobil!” schlafen geschickt wird. Bis neulich!




