Arbeiten

Es regnet… Update

Gestern ging’s weiter… die bestellten Klempner standen, naja, nicht ganz, puenktlich auf der Matte. Nach Besichtigung wurde Material besorgt und das Rohr getauscht, was aber erhebliche koerperliche Anstrengung bedingte, war das Rohr doch vor etwa 80 oder 90 Jahren mal in den gusseisernen unten anschliessenden 90-Grad-Rohrbogen eingeschraubt worden. Nach ordentlicher Erhitzung auf Rotglut mit der Loetlampe bewegte sich das Viech dann doch. Adapter und neues Kupferrohr waren blitzschnell eingesetzt und das Wasser aufgedreht… Das lief gleich wieder in den Keller: der erwaehnte Rohrbogen war naemlich an seiner Unterseite ebenfalls durchgerostet, das war vorher nicht direkt ersichtlich bzw. er wurde auch nicht weiter untersucht, weil das durchgerostete Rohr etwas weiter oben ganz offensichtlich der Grund fuer den Wasserverlust war. Damit waren die beiden mit ihrem Latein am Ende, denn eine Reparatur an der Stelle ist nicht ohne weiteres moeglich, es liegt zumal nahe, dass das im Mauerwerk verlaufende Rohr kein bisschen besser aussehen wird und wer weiss wie es sich mit der Hauptzuleitung, von der dieses Rohr offenbar abzweigt, verhaelt?

Die naechsten Klempner waren dann um 17 Uhr vor Ort, konnten aber auch nicht viel ausrichten. Der zweite vorhandene Wasseranschluss von aussen im Bierkeller wurde nun als Einspeisung auserwaehlt und 30m PE-Rohr an der Decke entland durch das halbe Untergeschoss verlegt und an das neue Rohr vom Vormittag angeschlossen, damit war wenigstens unsere Wasserversorgung und die der Kueche des Restaurants ueber uns wiederhergestellt. Wie es sich mit dem benachbarten Wettbuero und dem restlichen Restaurant oben verhaelt werden wir am Montag sehen (ich nicht, ich mache frei, ha!)…

Fakt ist nun also, dass der Hauptstrang draussen wenigstens neu angezapft, wenn nicht gar erneuert, werden muss. Das verspricht noch interessant zu werden…

Es regnet. Indoors…

Ein Rational Kombidaempfer ist des Kochs ganzer Stolz: so ein Ofen kann backen, waermen oder mit Heissdampf garen, ganz wie im Schnellkochtopf. Ist das 10.000-Euro-Geraet dann mal hin, ist es Essig mit dem Stolz. Unserer, also der in einem der beiden Bierhaueser, war bereits in der Vergangenheit durch mal leichte und mal akute Inkontinenz unangenehm aufgefallen; als er dann gestern zum wiederholten Male fuer Wasser in der (nicht von mir!) verkehrtherum angebauten Drehstromsteckdose fuer die Friteuse und damit einen dicken Kurzschluss gesorgt hatte, ging es ihm heute an den Kragen: eine Teilzerlegung brachte aber nicht mehr als die Erkenntnis, dass nicht der heisse Ofen, sondern das angeschlossene Abwasserrohr Ursprung allen Uebels war. Durch das Rohr wird Kondenswasser zum einen und abgekuehlter Dampf zum anderen (was ja wohl auch nichts anderes ist als Kondenswasser…) abgelassen, zum Abkuehlen wird zudem noch kaltes Wasser eingespritzt, das hoechstselbst ebenfalls durch das Loch im Boden verschwinden soll und will. Ist das Rohr dicht, laeuft die Suppe eben durch den Ueberlauf und dann auf die Steckdosen… aber das hatten wir ja schon.

Heute also habe ich das durch unsachgemaesse Verlegung und Materialwahl (ABS-Kunststoff, nicht sehr hitzefest) ziemlich verbogene Abwasserrohr ersetzt, das Wasser immer an seiner tiefsten Stelle, die nicht am gegenueberliegenden Ende vom Daempfer, sondern in der Mitte lag, sammelte. Aus dem alten Rohr rieselten ein paar Brocken Kalk, aber nicht genug, um eine Verstopfung zu erklaeren. Die Wiederinbetriebnahme des Daempfers sorgte auch nur fuer Ernuechterung, also war Nacharbeit angesagt. Orales Durchblasen der Leitung fuehrte nur zu der Erkenntnis, dass gegen leichten anfaenglichen Widerstand nichts gegen ein ordnungsgemaesses Ablaufen des Wassers sprach. Also kam meine Wunderwaffe, der Professional Power Plunger, zum Einsatz, und erstmals sogar mit Erfolg:

Einer der drei schwarzen Gummiadapter wird unten links aufgesetzt, dann wird das Teil mit einigen kraeftigen Pumpbewegungen an der Kolbenstange rechts aufgeladen und nach Betaetigen des roten Ausloesers wird die Luft in einer kurzen Druckwelle in das Abwasserrohr entlassen, auf das man das hochtechnische Geraet zuvor druckdicht aufgesetzt hatte. Ist noch Wasser im Rohr, breitet sich die Schallwelle besonders gut aus und siehe da – das Rohr war wieder frei von was auch immer im Weg war. Der Ofen ist seitdem wieder dicht. Da freut sich der Hausmeister. Pardon, der technische Mitarbeiter.

Damit war meine Arbeit aber noch lange nicht zuende, denn der Wassereinbruch im Keller direkt unterhalb des Ofens (Holzdecken) hoerte nicht auf, wurde sogar immer schlimmer. Nach Aufbrechen der Decke kam dann eine Menge Wasser mit und die Ursache wurde sichtbar:

Das zweite Foto zeigt, eher undeutlich, wie ich befuerchte, ein klumpiges, rostiges und vor allem pitschnasses Wasserrohr, das direkt von draussen kommt (gemeint ist NICHT das schoene Kupferrohr im Vordergrund). Das Rohr geht durch die Holzdecke direkt in die Kueche, wo es im Holzboden und auch oberhalb davon auf ca. 3cm durchgerostet ist und ein ordentliches Rinnsaal der Schwerkraft gehorchen laesst. Die Instandsetzung eines solchen Schadens liegt ausserhalb meiner Faehigkeiten, weiteres Problem ist, dass dieses Rohr das ganze Restaurant sowie ein anderes Restaurant ueber unserem mit Wasser versorgt. Einen Abstellhahn gibt es nicht, nur draussen im Gehweg, aber der ist fuer eben das ganze Anwesen.

So dachte ich mir, ich rufe mal eben einen plumber (sprich: “plammer”, Klempner). Aber wie auch beim letzten Mal bekam ich entweder keinen an die Strippe oder man fing an im Terminbuch zu blaettern. Da dies hier aber ganz offensichtlich eine dringendere Angelegenheit war, verzichtete ich auf die Festlegung auf einen Termin in 5 Tagen und bemuehte einen Notdienst. Nach Abfrage der ueblichen Daten wurde auf Nachfrage dreimal die Preisliste heruntergerattert, der Sprecher muss Rekordhalter im Schnellsprechen sein. Ich hatte nur “£93 per half hour” verstanden, das war zwar extrem happig, aber noch vertretbar. Anreise des spezialausgebildeten Fachmanns war fuer den Zeitraum 30 bis 90 Minuten avisiert. Nach 2 Stunden rief ich den Fahrer zum erstenmal an, er versprach in 15-20 Minuten vor Ort zu sein. Weitere 40 Minuten spaeter die neue Auskunft: noch 5 bis 7 Minuten. Und man hoere und staune: nach nur noch weiteren 30 Minuten war er dann auch schon an Ort und Stelle. Nach mehrmaligem Hin- und Herrennen zwischen Keller und Kueche geleitete ich ihn zum Gehweg, in dem der Absperrhahn liegt. Den betaetigte er auch sehr motiviert, was allerdings erst die Kellnerein, dann der Koch und anschliessend der Inhaber des Restaurants im 1. Stock nicht allzu witzig fanden und seeeeeehr eindringlich um das Wiederanstellen des kalten Nass’ baten. Da in Anbetracht der vorgerueckten Stunde (17 Uhr, ab 18 Uhr wurden fast 280 zahlende Gaeste erwartet) und der Schwere des Schadens keine Loesung in Sicht war, erlaubte der Herr sich nach gut 2 Stunden des Erklaerens, Hin- und Herrennens, Bohrens eines Probelochs im Boden und ausgiebiger Besichtigung des schadhaften Rohres zu empfehlen und ritt von dannen. Jedoch nicht ohne seinen koeniglichen Lohn eingefordert zu haben…. 4x £93, £195 Anfahrtgebuehr (WTF!), Mehrwertsteuer, macht zusammen sage und schreibe sechshundertneunzig Britische Pfund (was nicht viel weniger als 750 Euro ist). Ich werde jetzt auch plumber.

Die Reparatur der defekten Spuelmaschine (man hat die Befestigungsschraube des Wascharms in eine Wasseroefnnung fallen lassen) im anderen Bierhaus habe ich dann mal auf morgen, Samstag, verschoben

Achso, das Ende des krepierten Rohrs: das wird hoffentlich morgen nachgereicht, wenn ein echter Fachmann kommt, den ich bereits kenne, der aber heute auf die Schnelle keine Zeit hatte…

Die altgeDINten Normen…

… sind ja schon eine feine Sache. Es gibt ja in Deutschland kaum etwas, was nicht genormt ist, das liegt im Wesen des Deutschen, alles ganz ordentlich abzulegen und festzulegen. Das ganze beginnt bei Maßen und Volumina, geht über Schrauben, Kanaldeckel, Werkzeug und Farbtönen bis hin zu elektrischen Anlagen.

Einiges davon (wie z.B. die letztgenannten Elektroinstallationen und auch die noch aus dem Deutschen Reich stammenden RAL-Farbtöne) haben es sogar bis nach Brüssel geschafft und wurde EU-weites Regelwerk. Hier auf der Insel ist ja nur ein klein wenig EU, was hier und da ganz praktisch ist, wenn es nämlich z.B. um das einfache Zuziehen und Arbeiten geht, aber auch die Distanz zur EU ist nett, es ist nicht alles überreglementiert.

Worauf ich eigentlich hinaus will: zieht man in Deutschland irgendwo eine Wand und braucht eine Tür, so geht man im einfachsten Fall ins Bauhaus und kauft gemäß Norm sowieso eine Tür, links oder rechts angeschlagen, Außen- oder Innentür. Fertig. Passend dazu gibt es fertige Zargen, die Scharniere sind zumeist im Lieferumfang inbegriffen, die Löcher dafür passend gebohrt. Die Aussparung für den Schloßeinsatz ist ebenfalls fertig vorhanden und – natürlich – genormt. Daher ist das Gegenstück auch gleich in passender Höhe und Anordnung in der Zarge eingearbeitet. So dauert der komplette Einbau einer Zimmertür in z.B. eine Trockenbauwand (Rigips) bei ordentlicher Vorbereitung etwa eine halbe Stunde. Fertig.

Hier beschäftige ich mich "auf Arbeit" gerade mit der Erstellung eines neuen Raums in einer ungenutzten Nische in einem Korridor. Das Erstellen der Trockenbauwand ist kein Thema – doch halt! Welche Stärke muß die haben, damit ich dort eine Standardzarge einbauen kann? Standardzarge? Überhaupt: Zarge? Nein, hier gibt es keine fertigen Türrahmen, alles muß selbst gebaut werden. Es gibt Montagesätze, die aber nur aus einfach gesägten "Brettern" bestehen, die nur die Auskleidung des Ausschnitts übernehmen. Die Verkleidung außen herum muß komplett selbst erdacht und gebaut werden. Fertige "Türen" sind eigentlich nur große Paneele unterschiedlichster Form und Farbe, eine Falz gibt es hier ohnehin nicht, Türen schließen hierzulande immer stumpf an im Rahmen eingebrachte Leisten. Alles weitere muß vom Fachmann erledigt werden. Und das geht dann so:

  1. Türblatt kaufen
  2. Türrahmensatz (s.o.) kaufen
  3. Türscharniere kaufen (das sind hier immer fest zusammengebaute Scharnierbänder, Türen können nicht ausgehängt werden)
  4. Schnapper kaufen (nur ein zylindrisches Bauteil mit 7/8" Durchmesser)
  5. Klinken kaufen
  6. bei Bedarf Schloß kaufen (zusätzliches Kastenschloß, gibt es in etwa 10 verschiedenen Maßen)
  7. Wand mit zur Tür passendem Ausschnitt bauen (es gibt auch hier drei Standardbreiten: 24, 27 und 30" (610, 686 und 762mm) und mit 78 resp. 80" (1981/2032mm) auch zwei Standardhöhen), der Rahmen ist jedoch nicht Standard)
  8. Türrahmen anfertigen/einsetzen, Anschlagleisten gemäß Türstärke zuschneiden und anbauen
  9. Tür bearbeiten: mit Stechbeitel die Scharnierseite für den bündigen Einbau der Scharnierbänder vorbereiten, Öffnungen für Schnapper, Betätigungsmechanik (nicht etwa ein solider Vierkant, sondern lediglich ein 1mm starker und 5mm breiter Blechstreifen) und ggf. Schloß bohren oder ausstechen, Teile montieren
  10. Tür genau vermessen und Anordnung von Scharnieren und Schlössern auf den Rahmen übertragen (oder anhalten und markieren), auch hier Aussparungen für Scharniere und Schließblech(e) ausstechen
  11. Tür nach etwa 3 Stunden anschrauben und wahlweise über die gelungene Arbeit freuen oder laut fluchend nacharbeiten oder von vorn beginnen ;-)

Aufgrund mehrerer Zwischenfälle (Wassereinbruch durch die Decke, andere wichtige Arbeiten) stagniert die Arbeit momentan an Punkt 7, nächste Woche geht's dann vielleicht weiter. Ich werde nach Fertigstellung dann ein Beweisfoto posten!

 

P.S.: es gibt auch hier Normen, die sind dem Bristisch Standard (BS) unterworfen, und umfassen auch hier Schrauben, Kanaldeckel, Sanitärinstallationen und dergleichen mehr.