Leben in London
Jobsuche
Hilfe, zu viele Jobangebote!
09. Nov
Ja ist denn das….?
Naja, etwas übertrieben ist es vielleicht. Ich hatte ja gestern berichtet, daß ich ab morgen als Hausmeister Karriere machen werde. Parallel hatte ich bereits vor mehreren Wochen eine Bewerbung an die East London Bus Group geschrieben, die permanent Busfahrer suchen. Die schrieben mir nun heute, daß sie mich gern am 17. November um 7.45 würden sehen wollen für eine Vorausscheidung. Ferner sah ich dann heute noch ein Jobangebot im Fenster vom Job Centre in Lewisham, das sich an einen deutschsprechenden Menschen richtete: man sucht einen Online Data Evaluator und zahlt dafür 28.000 pro Jahr, dafür muß man befristete 11 Monate in Dublin arbeiten. Ich gehe davon aus, daß es sich hier um Euro handelt, nicht um Pfund (was ja momentan nicht so richtig ins Gewicht fällt). Genau dieser Job ist bereits vergeben, aber es gibt besonders in Dublin unzählige und wirklich gut bezahlte Jobs für deutschsprechende.
Was will ich denn nun eigentlich? Ich weiß es doch auch nicht.
Busfahren wäre mal toll, aber jetzt, wo der Job quasi vor der Haustür stehen könnte, wird mir mulmig. Jeden Tag mindestens acht Stunden am Steuer, Schichtdienst, für um die 10 Pfund pro Stunde. Nicht SO schlecht für hiesige Verhältnisse, aber in Anbetracht des Aufwands und der Gefahren, die dieser Job bringt, auch wieder nicht so doll.
Nach Dublin ziehen? Zurück in die real existierende EU? Euro? Weit weg von London, andere Kultur, ach nee, laß ma.
Hausmeister? Naja, ich werde das ab morgen erstmal testen. Dank Probezeit kann ich ja anfangs täglich kündigen.
Aber das Geld in Dublin reizt mich schon ein klein wenig…
Facility Manager
08. Nov
Dieser Begriff ist einmal mehr ein Beispiel für deutsches Englisch wie Handy oder Showmaster. Er bezeichnet in Deutschland ein Berufsbild, das nicht ganz korrekt als Hausmeister für große Gebäudekomplexe umschrieben werden kann. Er kümmert sich bereits beim Bau um die Koordination von Arbeiten, Installationen und auch um HR (human ressources), die in diesen Bereich fallen. Das kann man sogar studieren!
Das alles mache ich ab Mittwoch nicht, auch wenn die Bezeichnung in meinem denglischen Arbeitsvertrag stehen wird
Nein, ich werde Huusmeister Kaczmarek in beiden Filialen des Bavarian Beerhouse unweit der Tower Bridge bzw. der Old Street!
Jo, wenn d'r Aufzoch klemmp un de Mülltonn' brennt
un em janze Huus et Leech usfällt, [Leech=Licht]
es em drette Stock d'r Klo verstopp,
alles weed bei mir jemeld'.
Hehe, freue mich schon!
Job opportunity wanted!
28. Okt
Nach dem besiegelten Ende des Foodmaster und damit meines Arbeitsplatzes, ergehe ich mich seit vier Wochen in Nichtstun. Plötzlich bin ich zum ersten Mal seit 38 Jahren in der Situation mich um einen Job kümmern zu müssen. Panik! Was tun?
Was würde ich nicht gern alles machen: Busfahren, IT Service (also Computerabteilung irgendwo in einer größeren Firma), IT Service (Kundenberatung), "irgendwas mit Nutzfahrzeugen", "irgendwas mit Schienennahverkehr", food business usw. Das ganze sollte dann noch wenigstens ein klein wenig besser bezahlt sein als mit dem Mindestlohn (£6.50, absolut üblich in vielen Branchen). £20,000 im Jahr wären nett, mehr muß gar nicht (wäre aber natürlich schön).
Schwierig an der ganzen Sache: ich lebe als Ausländer in einem fremden Land, meine Englischkenntnisse sind okay, aber weit entfernt von den in den meisten Bürojobs geforderteten exzellenten Sprachkenntnissen. Ich habe keinerlei Berufserfahrung in einem anderen Job als dem des Geschäftsführers einer chaotischen Omnibuswerkstatt, den ich unmittelbar nach meinem Studium für gut 10 Jahre innehatte. Ich kann Busse fahren, Lkw auch (solange es ohne Anhänger ist…), interessiere mich für alles Technische, vor allem wenn es sich aus eigener Kraft fortbewegen kann und optimalerweise mehr als drei Räder hat. Ich bin aber auch nicht mehr so jung, daß ich mich noch ernsfthaft in einer Firma vom absouten Anfänger hocharbeiten könnte.
Ein nine-to-five-job mit Billiganzug und schicken Schuhen paßt nicht zu mir, und so habe ich mich als Busfahrer beworben. Ja, tatsächlich. Endlich einmal im Leben den Job machen, den ich schon mit 12 wollte. Zwei, drei Sachen habe ich noch in der Hinterhand, aber nichts davon überzeugt mich vollends. "Hätte ich mal" habe ich aus meinem Wortschatz verbannt, aber der Umzug nach London wäre vielleicht 10 Jahre früher sinnvoll gewesen, dann hätte ich noch volle fünf Jahre Routemaster im Linieneinsatz genießen können
Oder eben als 10 Jahr jüngerer Berufsanfänger einen "ordentlichen" Job machen können. Aber wer weiß, wo ich dann heute wäre, wie ich mich dann entwickelt hätte. Also: Schwamm drüber, die aktuelle Situation will gemeistert werden und das wird sie. Irgendwie. Irgendwann. Bald!