Leben in London

Speed awareness

The aim of this workshop is to enable drivers to gain a fuller understanding of why people drive above the speed limit and a better appreciation of the true consequences of speeding.

AA DriveTech, 58 Uxbridge Road, London, W5 2ST, 16.45 to 21.00

Zimmersuche, Update

Nicht dass es etwas Neues gaebe.

Mein aktuelles Zimmer habe ich zum Monatsende gekuendigt, habe also noch locker drei Wochen Zeit etwas Neues zu finden :)

Problem dabei: von den angebotenen Zimmern in meiner Preisklasse sind maximal 10% wirklich annehmbar (damit meine ich einigermassen zeitgemaesse Einrichtung, eine als vorhanden zu bezeichnende Anbindung an den oeffentlichen Nahverkehr, mehr als nur ein einziges Badezimmer fuer 6 Leute und solche Spaesschen). Schreibe ich die Annoncierer an, bekomme ich keine Antwort. Irgendwas mache ich wohl falsch.

Dafuer bekomme ich auf meine Suchanzeige lauter Angebote, die mir nicht zusagen (Begruendung siehe oben).

Was man da alles zu sehen bekommt: Zimmer mit Doppelbetten quer im Raum mit dahinter stehender Couch, Dusche im Zimmer, Zimmer fuer £1200 pro Monat (dafuer kann man in manchen Gegenden ein ganzes Reihenhaus mieten), Haeuser, die seit mindestens 20 Jahren keine Renovierung mehr gesehen haben, “Box rooms”, in denen man allenfalls die Kleiderschranktueren oeffnen kann, fuer mehr ist kein Platz. Aber alles zu Preisen, fuer die man in Berlin problemlos eine 50qm-Wohnung mieten koennte.

 

Einen schicken Raum habe ich gefunden, weiter Richtung Norden, in South Woodford. Nicht gerade zentral, noch dazu in der naechsten Tarifzone, aber ein grosser und mit meinem jetzigen Zimmer vergleichbarer Raum unter dem Dach mit reichtlich Stauraum aber ohne Kleiderschrank mangels gerader Waende und natuerlich auch ohne eigenes Bad, aber das ist finanziell eh nicht in Reichweite. Der Vermieter ist nicht erreichbar, seine Voicemailbox voll, die Miete zwischen £50 und £100 ueber meinem Maximum. Dafuer mit 32″ Fernseher (unnoetiger Luxus) mit 500 SkyTV-Programmen inkl. Film- und internationalen Kanaelen. Nett, aber ebenfalls unnoetig, treibt nur die Miete hoch.

 

Gerade kam ein Angebot herein, das ganz gut klingt. Fehlende Bilder vom Raum sind leider an der Tagesordnung, verstehe ich nicht. Ich kann doch auch kein Auto verkaufen ohne Bilder. Oder was?

 

Wie waer’s mit der 22. Etage eines Hochhauses unmittelbar am Bahnhof Stratford? Hochhaus wollte ich immer schonmal, das fehlt mir noch in meiner Sammlung ungewoehnlicher Schlafstaetten. Der Preis stimmt einigermassen, vor allem unter Beruecksichtigung der superzentralen Lage.

 

Eine Bewerbung laeuft noch in Hackney, dort ist aber heute erster Besichtigungstermin fuer die Bewerber, die schneller waren als ich. Erst wenn da kein passender Mann dabei ist, bekomme ich (und vermutlich noch andere) eine zweite Chance. Einschraenkung: ich waere der einzige Mann unter drei Frauen…

Inselkoller? Nix da!

Der zweite Jahrestag meines Umzugs nach England ist schon 5 Wochen her und verging sang- und klanglos, glaube ich jedenfalls. Der Tag hat sich zumindest nicht als besonders bemerkenswert in meiner Erinnerung eingenistet.

Zwei Jahre England und immer noch kein Heimweh. Echt! Das Leben hier verlaeuft so viel entspannter und leichter, dass ich keinerlei Beduerfnis habe, in mein Heimatland zurueckzukehren. Das werde ich jedoch voruebergehend ueber Weihnachten mal wieder besuchen, fast ein Jahr nach dem letzten Aufenthalt auf dem Festland.

Nein, Deutschland fehlt mir nicht, meine Familie habe ich auch zu Zeiten, als ich noch in Berlin lebte, nur zweimal im Jahr gesehen, das ist jetzt nicht viel anders. Auch sonst habe ich dank meiner Arbeitsstelle im deutschen Bierhaus mehr Kontakt zu Deutschen als mir eigentlich lieb ist, aber auch die englischen Bekannte werden mehr. Deutsches Fernsehen gibt’s dank der ARD- und ZDF-Mediatheken, VOXnow, Youtube usw. ausreichend, die bereits vor dem Umzug mit Spielfilmen gut gefuellte Festplatte kann noch immer mit mehr als 50% bislang ungesehenem Material aufwarten, die DVD-Sammlung beinhaltet zudem auch noch ein paar Schaetze.

Meinem in Berlin liebgewonnenen Hobby Umzug bin ich auch hier treu geblieben: die diversen Umzuege im und mit dem Wohnmobil nicht mitgerechnet, bin ich bereits viermal umgezogen, das letzte Mal ist erst ein paar Wochen her, bedeutete jedoch nur unzaehliges Treppensteigen, denn es spielte sich im Haus ab. Nun bewohne ich ein “en-suite”, in diesem Fall ein recht geraeumiger ausgebauter Dachboden (Loft!) mit eigenem Badezimmer, das ist schon seeehr nett. Dem Londoner Osten bleibe ich weiterhin treu, ich mag die Gegend.

Einige Aufgaben fuer die naechste Zeit haelt das Leben bereit, dazu gehoert der Verkauf von Willi (dem grossen Wohnmobil, mit dem ich hier nichts mehr anfangen kann, es ist zum Reisen auf der Insel einfach zu gross), die endgueltige Aufbereitung und der Verkauf meines letzten englischen Golf II GTI und der Verkauf der bloeden Eigentumswohnung in Berlin. Und das alles, wo ich mich so gern von Sachen trenne! Morgen wird Willi um den einen oder anderen Kram erleichtert, fuer den ich hier dank grosszuegigen Stauraums genuegend Platz habe.

 

Noch ein paar Updates gefaellig? Der Job macht nach wie vor Spass, ist immer noch sehr abwechslungsreich und bietet immer noch genuegend Stoff um meine Vollzeitstelle zu rechtfertigen. Und wie’s aussieht, wird sich das in naechster Zeit auch nicht aendern.

Ein Lebensgefaehrte ist noch immer nicht in Sicht. Das wird schon, hoffentlich. Mein Hund Pepe ist uebrigens wieder zurueck in Berlin und nervt sein neues Herrchen, mein Onkel, mit seinem Jagdtrieb und dem spanischen Dickschaedel. Ich vermisse ihn schon ziemlich, spontane Spaziergaenge ohne Hund wollen so gar keinen Sinn ergeben. Was soll’s, es geht eben nicht, damit muss ich mich abfindenm, will ich weiter in der grossen Stadt am Fluss leben. Und will ich das? Klares JA!

Das im letzten Eintrag angekuendigte Busfahren ist noch nicht realisiert, ich haette dank zahlreicher Besucher und anderweitig verplanter Wochenenden ohnehin keine Zeit dafuer gehabt. Und bevor ich das forciert nochmal angehe, muss ich erst die oben aufgefuehrten Verkaeufe ueber die Buehne bringen.

Telefonieren

“Geht das irgendwie anders in UK?” – Nein, alles wie in Deutschland oder sonstwo auf der Welt. Und auch hier kann ich mein Gegenueber nicht sehen, und das kann ein Problem sein.

Wie viele andere Deutsche auch, habe ich Englisch in der Schule gelernt, habe mich waehrenddessen und danach tiefgreifend mit der Materie Computer beschaeftigt und daher seit jeher recht viel englische “Literatur” (im weitesten Sinne) gelesen. Lesen ist nicht gleich sprechen, das weiss jeder, der sich ploetzlich in der ungewohnten und moeglicherweise unangenehmen Situation befindet eine fremde Sprache sprechen zu muessen. Steht man seinem Gespraechspartner gegenueber, hilft dies einerseits wegen der unverfaelschten Tonqualitaet, andererseits kann man ihm an den Lippen haengen und so den Anteil der verstandenen Satzteile evtl. deutlich erhoehen.

Aber hat schonmal jemand mit einem Schotten gesprochen? Einem Iren? Einem Nordenglaender? Einem richtigen Arbeiter, der sich nicht die Spur Muehe gibt (oder mangels Zaehnen oftmals auch gar nicht kann), klares Oxford-Englisch zu sprechen? Einem Inder bei einer der oftmals in Asien angesiedelten Hotlines? Einem Jugendlichen? Alles jedenfalls nicht immer so einfach. Wenn man nun nur noch ueber hunderte Meilen lange Draehte miteinander verbunden ist, wird’s noch schwieriger: schlechte Gespraechsqualitaet, Hintergrundgeraeusche, der fehlende Sichtkontakt, nicht funktionierende Gesten, extremer Dialekt, moeglicherweise unbekanntes Territorium beim Thema… So versucht man schnell, das Telefonieren zu vermeiden und stattdessen Emails zu schreiben (“Mails” wird hier nicht verstanden, weil es diesen Plural eigentlich nicht gibt. “Mail” ist einfach nur Post aus Papier). Da hierzulande der persoenliche Kontakt aber als offenbar viel wichtiger empfunden wird, bekommt man in mindestens 50% der Faelle keine Antwort auf Anfragen.

Langsam, nach nunmehr fast zwei Jahren, telefoniere ich jetzt haeufiger auch nach ausserhalb von London (hier spricht man recht klares und kaum dialektverfremdetes Englisch) und es klappt und macht meistens Spass, immer natuerlich auch abhaengig von der eigenen Verfassung.

Manchmal hilft aber auch der Sichtkontakt nicht. So hatte ich kuerzlich mit einem Moechtegern-Klempner (plumber (sprich: plammer)) zu tun, den ich am Telefon einigermassen verstanden hatte. Als er jedoch direkt vor mir stand und auf mich einredete, haette ich ihn beinahe gefragt, welche Sprache er gerade spreche. Von zehn Woertern habe ich manchmal eines verstanden, was hier und da und nach Nachfragen dann irgendwie reichte, um den Sinn des Gesagten zu verstehen.

Wer ungefaehr wissen moechte wie es mir so geht mit den Eingeborenen, dem sei Tony Hawks’ Buch Mit dem Piano in die Pyrenaeen empfohlen. Er erlebt sicher einiges mehr als ich und muss sich an Franzosen gewoehnen, aber die Grundprobleme sind schon vergleichbar.