Leben in London
Leben in London
Any news? No.
25. Nov
Könnte der kürzeste Artikel werden bisher…
Der Job macht Spaß, das Ergebnis beinahe jeder Arbeit ist anschließend zu sehen, zu fühlen, zu hören, jedenfalls irgendwie zu bemerken. Und das macht Spaß.
Und die Bandbreite nimmt noch immer zu, nun befasse ich mich auch mit der Bauftragung von Glasern und Klimaanlagentechnikern (nach einer Eingangsdiagnose), muß verputzen, schrauben, elektrisieren, Drucker reparieren, Wasserver- und -entsorgung sicherstellen, die Ursache durch die Decke ins Kellergeschoß tropfenden Wassers beheben, Spülmaschinen reparieren und reinigen, Abfall beseitigen, Rigipsarbeiten durchführen, Handbücher zu Geräten im Internet recherchieren, Glühlampen tauschen (täglich…), Zapfhähne festschrauben, Lautsprecher wieder laut sprechen lassen, Lichterketten aufhängen, Lüfter reparieren, Türriegel und -griffe anbringen, abschließbare Fenstergriffe aufbohren (Schlüssel verloren…) und erneuern usw.
Macht Spaß! Ist aber auch anstrengend… Aber es ist total schön, sich in London's Innenstadt herumzutreiben, und zwar zweckorientiert statt mehr oder weniger ziellos. Hatte ich schon erwähnt, daß ich ja jetzt einer von IHNEN bin? Ich arbeite ja in der City of London, dem Herzen der Stadt, der Keimzelle, dem Banken- und Büroviertel.
Achso, nette Kollegen habe ich auch, nettes Arbeitsklima herrscht, am Sonntag ist Weihnachtsfeier (von der ich mich vermutlich ab einem bestimmten Alkoholpegel meiner Kollegen recht zeitig verabschieden werde), Essen und Trinken ist umsonst, was will man mehr?
Facility Manager
08. Nov
Dieser Begriff ist einmal mehr ein Beispiel für deutsches Englisch wie Handy oder Showmaster. Er bezeichnet in Deutschland ein Berufsbild, das nicht ganz korrekt als Hausmeister für große Gebäudekomplexe umschrieben werden kann. Er kümmert sich bereits beim Bau um die Koordination von Arbeiten, Installationen und auch um HR (human ressources), die in diesen Bereich fallen. Das kann man sogar studieren!
Das alles mache ich ab Mittwoch nicht, auch wenn die Bezeichnung in meinem denglischen Arbeitsvertrag stehen wird
Nein, ich werde Huusmeister Kaczmarek in beiden Filialen des Bavarian Beerhouse unweit der Tower Bridge bzw. der Old Street!
Jo, wenn d'r Aufzoch klemmp un de Mülltonn' brennt
un em janze Huus et Leech usfällt, [Leech=Licht]
es em drette Stock d'r Klo verstopp,
alles weed bei mir jemeld'.
Hehe, freue mich schon!
Job opportunity wanted!
28. Okt
Nach dem besiegelten Ende des Foodmaster und damit meines Arbeitsplatzes, ergehe ich mich seit vier Wochen in Nichtstun. Plötzlich bin ich zum ersten Mal seit 38 Jahren in der Situation mich um einen Job kümmern zu müssen. Panik! Was tun?
Was würde ich nicht gern alles machen: Busfahren, IT Service (also Computerabteilung irgendwo in einer größeren Firma), IT Service (Kundenberatung), "irgendwas mit Nutzfahrzeugen", "irgendwas mit Schienennahverkehr", food business usw. Das ganze sollte dann noch wenigstens ein klein wenig besser bezahlt sein als mit dem Mindestlohn (£6.50, absolut üblich in vielen Branchen). £20,000 im Jahr wären nett, mehr muß gar nicht (wäre aber natürlich schön).
Schwierig an der ganzen Sache: ich lebe als Ausländer in einem fremden Land, meine Englischkenntnisse sind okay, aber weit entfernt von den in den meisten Bürojobs geforderteten exzellenten Sprachkenntnissen. Ich habe keinerlei Berufserfahrung in einem anderen Job als dem des Geschäftsführers einer chaotischen Omnibuswerkstatt, den ich unmittelbar nach meinem Studium für gut 10 Jahre innehatte. Ich kann Busse fahren, Lkw auch (solange es ohne Anhänger ist…), interessiere mich für alles Technische, vor allem wenn es sich aus eigener Kraft fortbewegen kann und optimalerweise mehr als drei Räder hat. Ich bin aber auch nicht mehr so jung, daß ich mich noch ernsfthaft in einer Firma vom absouten Anfänger hocharbeiten könnte.
Ein nine-to-five-job mit Billiganzug und schicken Schuhen paßt nicht zu mir, und so habe ich mich als Busfahrer beworben. Ja, tatsächlich. Endlich einmal im Leben den Job machen, den ich schon mit 12 wollte. Zwei, drei Sachen habe ich noch in der Hinterhand, aber nichts davon überzeugt mich vollends. "Hätte ich mal" habe ich aus meinem Wortschatz verbannt, aber der Umzug nach London wäre vielleicht 10 Jahre früher sinnvoll gewesen, dann hätte ich noch volle fünf Jahre Routemaster im Linieneinsatz genießen können
Oder eben als 10 Jahr jüngerer Berufsanfänger einen "ordentlichen" Job machen können. Aber wer weiß, wo ich dann heute wäre, wie ich mich dann entwickelt hätte. Also: Schwamm drüber, die aktuelle Situation will gemeistert werden und das wird sie. Irgendwie. Irgendwann. Bald!
Alles so schön neu heute
13. Okt
Bereits vor-geburtstaglich häufen sich seit gestern laute neue Sachen hier….
- ein neues Geburtstagspaket von Mama und Papa
- ein neues Buch "London Railway Atlas", das ich billig bei Amazon erstanden habe für den halben Preis. So weiß ich jetzt immer genau, welches Bahngleis wo hin führt. Das braucht man!
- ein ebenfalls bei Amazon um 40% reduziertes neues Buch "The Iron Horse" von Edward Marston, das letzte, das mir aus der Inspektor-Colbeck-Reihe noch fehlte (spielt im Eisenbahnmilieu um 1854)
- neue Ohren (ich berichtete:- ich kann wieder (richtig) hören!)
- neue Fahrradreifen (die immerhin schon fast 3 Jahre alten Continental-Reifen Made in India sterben seit 2 1/2 Jahren den UV-Tod)
- neue Fahrradschläuche (wenn schon, denn schon)
- neue Fahrradpedale (die alten hatten nach nunmehr 20 Jahren im Dienst selbigen durch Lagerschäden aufgrund eindringenden Regenwassers quittiert
- eine neue Flasche Ale (McEwan's Champion – mein Lieblingsbier)
- neue Kekse, Milch, Käse, Clotted Cream, Scones (jaja, es gibt gleich Cream Tea!), Brot usw.
- ein neuer Britischer Führerschein (im Tausch gegen den ollen deutschen). Der hat den Vorteil, daß ich hier beruflich große Fahrzeuge fahren darf und auch, daß ich ihn nicht durch langwierige Schulung bis Oktober verlängern muß, denn in Deutschland ist ein Busführerschein immer nur 5 Jahre gültig und muß dann verlängert werden. Dafür läuft er aber zusammen mit der Lkw-Fahrerlaubnis in 2017 ab, wenn ich 45 werde, dann geht's alle 5 Jahre zum Arzt für eine Verlängerung.
London Royal Docks
03. Okt
Docklands, hatten wir vorgestern schon einmal. Allerdings bezieht sich diese halboffizielle Bezeichnung der neuentwickelten Bebauung und Nutzung der Isle of Dogs in East London mehr auf dieses Stück Land innerhalb der Themseschleife.
Die weiter östlich liegenden Royal Docks wurden 1855 bis 1921 erstellt, als die Docks auf der Isle of Dogs und auf der Südseite (Bermondsey) zu klein wurden und nicht mehr erreichbar war durch die schmaler und flacher werdende Themse für die immer größer werdenden Dampfschiffe. Sie bestehen in erster Linie aus dem Royal Victoria Dock, dem Royal Albert Dock und dem King George V Dock, südlich des Victoria Dock liegt das sehr viel kleinere Graving Dock.
Die Wasserfläche beträgt 1km² und ist damit die größe künstlich erschaffene Dockanlage der Welt. Das ganze Gebiet umfaßt gut 4.5km², was der kompletten Fläche Central Londons von der Tower Bridge bis Hyde Park entspricht. Die Docks wurden im zweiten Weltkrieg von – wem wohl? – den Deutschen stark beschädigt, die fünf ehemals weit bis zur Längsachse des Royal Victoria Docks ragenden Kais mit Lagerhäusern wurden beim Wiederaufbau entfernt, die Wasserfläche damit nochmals vergrößert. In den 1960er Jahren begann die flächendeckende Einführung von Überseecontainern, die Bedeutung der Docks nahm damit immer mehr ab, bis sie ab Anfang der 1980er Jahre nutzlos wurden und verfielen. In den 1990er Jahren begann eine Neuentwicklung des Gebiets, womit nahezu die gesamte alte Bebauung abgerissen wurde, nur ein riesiges – allerdings stark renovierungsbedürftiges – Mühlengebäude samt Silogebäude ist übrig geblieben (und einige wenige kleinere Bauwerke vor allem am Royal Victoria Dock).
Die alten Ladekräne wurden in größerer Anzahl beibehalten und optisch restauriert, sind jedoch nicht mehr funktionsfähig. Zwischen den parallel verlaufenden Royal Albert und King George V Docks entstand der London City Airport.
Die westliche Zufahrt zu den Docks über das ehemalige Tidal Basin ist nun zugeschüttet, die Docks sind aber von der Themse aus noch über das östliche Albert Basin zu erreichen. Die Wasserflächen werden nun nahezu ausschließlich für Wassersport genutzt.
Die südlich der Docks liegende Besiedlung – Silvertown – hat ihre Bedeutung als Beheimatung der Dockarbeiter schon lange verloren (der Name stammt von der ursprünglich hier ansässigen Gummifabrik Silver). Auch wenn die Docklands Light Railway (DLR) mit Strecken jeweils nördlich und südlich der Docks die Verkehrsanbindung zur Stadt erheblich verbesser hat, macht sie die Gegend- vor allem vor dem Hintergrund der riesigen Zuckerraffinerie Tate&Lyle, wenig lebenswert.
Die Eisenbahnstrecke, die Woolwich Railway (später North London Line), die damals die Anbindung nach Stratford und weiter Richtung Westen und Nordosten sicherstellte, ist seit 2006 eingestellt, die DLR hat die Funktion komplett übernommen.
Ich könnte hier noch eine Menge mehr schreiben, denn interessant ist die Gegend allemal. Dazu möchte ich mich dort aber bei besserem Wetter nochmal umschauen, gestern hat’s durchgehend nur geregnet.






