Leben in London
Museen
Brooklands
30. Okt
Es war 1907, als der Brooklands Race Track in Weybridge, Surrey – etwa 15km vor den suedwestlichen Toren Londons – eroeffnet wurde. Zu dieser Zeit war die maximale Geschwindigkeit auf Grossbritanniens Strassen auf 20mph (32km/h) beschraenkt und die noch sehr jungfraeuliche britische Autoindustrie konnte kaum gegen die damals auf dem Gebiet uebermaechtigen Franzosen bestehen, weil sie keine Hochgeschwindigkeitstests mangels Teststrassen durchfuehren konnten. So wurde die Rennbahn gebaut, und nach ihrem Vorbild nur wenig spaeter der Indianapolis Speedway in den USA. Die ovale Strecke bestand zu grossen Teilen aus bis zu 9m hohen Steilwandkurven und einer Zielgeraden in der Mitte. Weil man damals nicht in der Lage war, Asphalt dauerhaft auf den sehr schraegen Fahrbahnen zu halten, war die ganze Strecke in Beton ausgefuehrt worden, was in spaeteren Jahren zu einer ziemlich unruhigen Fahrweise fuehrte, da sich die Betonplatten gegeneinander verschoben.
Bereits 1915 wurde die Rennstrecke im Zusammenhang mit dem ersten Weltkrieg voruebergehend geschlossen und die Flugzeugwerke Vickers angesiedelt. In den folgenden Jahren stand das Gelaende ganz im Zeichen der Konstruktion, Erprobung und Herstellung von Flugzeugteilen und ganzen Flugzeugen. Nach umfangreichen Reparaturen an der Rennstrecke wurde ab 1920 der Rennbetrieb wieder aufgenommen, bis die Strecke 1939 durch den Beginn des zweiten Weltkriegs endgueltig geschlossen wurde. Sie wurde durch Bombenangriffe schwer beschaedigt, teilweise ueberbaut oder durch das Hindurchfuehren einer Zufahrtstrasse unterbrochen. Noch bis 1987 wurden hier Flugzeuge hergestellt, bis Vickers schloss. Noch im selben Jahr wurde der Brooklands Museum Trust gegruendet und damit der Grundstein fuer das heutige Museum gelegt. Weitere grosse Flaechen werden heute von Mercedes-Benz (mit einer kleinen Rennstrecke) und diversen anderen Firmen belegt,
Das heutige Museum besteht aus mehreren Teilen und beinhaltet Abteilungen ueber Flugzeugentwicklung und historische Autorennen, beides sehr interessant. Fuer mich aber noch viel interessanter und damit Grund des Besuchs war die offizielle Eroeffnung eines Busmuseums. In Andenken an den urspruenglichen Standort der vergangenen 40 Jahre (ein rein privates Busmuseum, das sich ausschliesslich mit der Geschichte des Londoner Busverkehrs beschaeftigt) wurde das neue Gebaeude Cobham Hall benannt. ‘Gebaeude’ mag etwas uebertrieben sein, es ist mehr eine Stahltraegerkonstruktion, die mit dicker Zeltplane bespannt ist. Innen wird die grosse Flaeche durch sehr hohe Stellwaende, die mit historischen Motirven gestaltet sind, strukturiert, der so geschaffene Rundweg fuehrt von den Anfaengen der Omnibusgeschichte bis in die Neuzeit. Da saemtliche Ausstellungsstuecke fahrbereit sind, wird hier immer Bewegung in der Ausstellung sein.
Der Rundgang ueber das Museumsgelaende offenbarte Flugzeuge vom Schlage einer Vickers VC-10 oder gar einer Concorde, tolle Rennwagen aus der Fruehzeit des Autorennens, Motorraeder, ein Auktionszentrum fuer historische Autos, Hallen mit historischen Flugzeugen, Triebwerken, Motoren usw. Die Gebaeude sind zum groesseren Teil sehr schoen restauriert bzw. im historischen Stil neu gebaut, das Hauptgebaeude beinhaltet auch ein Restaurant.
Auch bei 11 Pfund Eintrittspreis ist dieses Museum definitiv einen Besuch wert, vielleicht am 29. April des naechsten Jahres, wenn vom Museum auf dem nahegelegenen Wisley Airfield traditionell eines der groessten Bustreffen der UK veranstaltet wird, von wo aus Shuttlebusse zum Museum verkehren werden.
Das Busmuseum hat einen schicken Webauftritt wie auch das Brooklands Museum.
Mein Fotoalbum…
![]() |
| Brooklands |
Docklands Museum
02. Okt
Regenwetter sei ja optimale Bedingung für Museumsbesuche, hört man immer wieder. Unerwähnt bleibt dabei jedoch, wie man trockenen Fußes zum Museum gelangt. Das Docklands Museum zu besuchen, stand schon länger auf meinem Plan, heute regnete es, also ging ich los. 25 Minuten Fußmarsches später und bereits ziemlich naß erreichte ich den Bahnhof Stratford, die DLR brachte mich dann an den Ort des Geschehens.
Unter Docklands wird heute im allgemeinen das Konglomerat an Büro- und Wohnhäusern auf der Isle of Dogs verstanden, trifft aber im historischen Sinne nicht die Sache. Vielmehr rührt die Bezeichnung von den hier sowie westlich, südlich und östlich der (Halb-) Insel gelegenen Docks und zugehörigem sonstigem Gewerbe. Die vielen kleinen Überseehäfen und Docks entlang der Themse weiter flußaufwärts boten keinen Schutz gegen Eindringlinge und die Naturgewalten, so daß ab 1800 auf der Isle of Dogs neue und erheblich größere Docks mit modernen Lagerhäusern entstanden. Das erste war das North India Dock, gefolgt vom südlich davon liegenden South India Dock, erweitert um das weiter südlich liegende Millwall Dock. Um den aufkommenden und größer werdenden Dampfschiffen Platz zu gewähren, wurden ab 1850 die Royal Docks weiter östlich gebaut. Durch die Einführung von Überseecontainern in den 1960er Jahren verloren die Docks schnell an Bedeutung und verfielen nach und nach aufgrund von mangelnder Nutzung. Die meisten Hafenbecken existieren heute noch, im Zuge der Restrukturierung der Gegend wurden einige jedoch wenigstens teilweise zugeschüttet.
Dieses ganze Gebiet sowie die bis zum 2. Weltkrieg auf der Südseite der Themse gelegen weiteren Docks (Southwark, Wapping, Rotherhithe, Bermondsey) sind Umfang des Museums, das mit seinen Erzählungen in der Römerzeit beginnt und erst etwa im Jahr 2000 endet. Schade, daß ich schon um etwa 1200 ziemlich erschöpft und nicht mehr aufnahmefähig war, so daß ich die mich eigentlich am meisten interessierende Zeit ab etwa 1900 nur noch im Grobverfahren abgearbeitet und das Museum nach über 3 Stunden wieder verlassen habe. Schreit nach einer Fortsetzung.
Das Museum liegt an der nordwestlichen Ecke des West India Docks, DLR-Haltestelle West India Quays oder Jubilee Line in Canary Wharf verlassen. Der Eintritt ist kostenlos, das ganze ist sehr nett gemacht, aber man sollte definitiv Zeit mitbringen. Im Erdgeschoß gibt es ein großes Bistro mit für die Gegend typisch gehobenen Preisen, aber noch vertretbar.
[updated am 2.10.2010]

