Routemaster

Brooklands

Es war 1907, als der Brooklands Race Track in Weybridge, Surrey – etwa 15km vor den suedwestlichen Toren Londons – eroeffnet wurde. Zu dieser Zeit war die maximale Geschwindigkeit auf Grossbritanniens Strassen auf 20mph (32km/h) beschraenkt und die noch sehr jungfraeuliche britische Autoindustrie konnte kaum gegen die damals auf dem Gebiet uebermaechtigen Franzosen bestehen, weil sie keine Hochgeschwindigkeitstests mangels Teststrassen durchfuehren konnten. So wurde die Rennbahn gebaut, und nach ihrem Vorbild nur wenig spaeter der Indianapolis Speedway in den USA. Die ovale Strecke bestand zu grossen Teilen aus bis zu 9m hohen Steilwandkurven und einer Zielgeraden in der Mitte. Weil man damals nicht in der Lage war, Asphalt dauerhaft auf den sehr schraegen Fahrbahnen zu halten, war die ganze Strecke in Beton ausgefuehrt worden, was in spaeteren Jahren zu einer ziemlich unruhigen Fahrweise fuehrte, da sich die Betonplatten gegeneinander verschoben.

Bereits 1915 wurde die Rennstrecke im Zusammenhang mit dem ersten Weltkrieg voruebergehend geschlossen und die Flugzeugwerke Vickers angesiedelt. In den folgenden Jahren stand das Gelaende ganz im Zeichen der Konstruktion, Erprobung und Herstellung von Flugzeugteilen und ganzen Flugzeugen. Nach umfangreichen Reparaturen an der Rennstrecke wurde ab 1920 der Rennbetrieb wieder aufgenommen, bis die Strecke 1939 durch den Beginn des zweiten Weltkriegs endgueltig geschlossen wurde. Sie wurde durch Bombenangriffe schwer beschaedigt, teilweise ueberbaut oder durch das Hindurchfuehren einer Zufahrtstrasse unterbrochen. Noch bis 1987 wurden hier Flugzeuge hergestellt, bis Vickers schloss. Noch im selben Jahr wurde der Brooklands Museum Trust gegruendet und damit der Grundstein fuer das heutige Museum gelegt. Weitere grosse Flaechen werden heute von Mercedes-Benz (mit einer kleinen Rennstrecke) und diversen anderen Firmen belegt,

Das heutige Museum besteht aus mehreren Teilen und beinhaltet Abteilungen ueber Flugzeugentwicklung und historische Autorennen, beides sehr interessant. Fuer mich aber noch viel interessanter und damit Grund des Besuchs war die offizielle Eroeffnung eines Busmuseums. In Andenken an den urspruenglichen Standort der vergangenen 40 Jahre (ein rein privates Busmuseum, das sich ausschliesslich mit der Geschichte des Londoner Busverkehrs beschaeftigt) wurde das neue Gebaeude Cobham Hall benannt. ‘Gebaeude’ mag etwas uebertrieben sein, es ist mehr eine Stahltraegerkonstruktion, die mit dicker Zeltplane bespannt ist. Innen wird die grosse Flaeche durch sehr hohe Stellwaende, die mit historischen Motirven gestaltet sind, strukturiert, der so geschaffene Rundweg fuehrt von den Anfaengen der Omnibusgeschichte bis in die Neuzeit. Da saemtliche Ausstellungsstuecke fahrbereit sind, wird hier immer Bewegung in der Ausstellung sein.

 

Der Rundgang ueber das Museumsgelaende offenbarte Flugzeuge vom Schlage einer Vickers VC-10 oder gar einer Concorde, tolle Rennwagen aus der Fruehzeit des Autorennens, Motorraeder, ein Auktionszentrum fuer historische Autos, Hallen mit historischen Flugzeugen, Triebwerken, Motoren usw. Die Gebaeude sind zum groesseren Teil sehr schoen restauriert bzw. im historischen Stil neu gebaut, das Hauptgebaeude beinhaltet auch ein Restaurant.

Auch bei 11 Pfund Eintrittspreis ist dieses Museum definitiv einen Besuch wert, vielleicht am 29. April des naechsten Jahres, wenn vom Museum auf dem nahegelegenen Wisley Airfield traditionell eines der groessten Bustreffen der UK veranstaltet wird, von wo aus Shuttlebusse zum Museum verkehren werden.

Das Busmuseum hat einen schicken Webauftritt wie auch das Brooklands Museum.

Mein Fotoalbum…

Brooklands
Leyland PHJ950 (311) in Berlin

Busfahren

Geschaetzte 99.9% der deutschen oder britischen Bevoelkerung duerften das Busfahren einerseits passiv und andererseits mehr oder weniger geduldig ueber sich ergehen lassen. In meinem Bekanntenkreis ist jedoch ein nicht unerheblicher Anteil auch aktiv taetig, Hobbybusfahrer zumeist.

Ich bin ja auch so einer. In Berlin bin ich regelmaessig zumeist Schulbus gefahren, spaeter kam ich dann auch in den Genuss, diverse englische Busse in Berlin bewegen zu koennen:

Dieser hier war mein persoenliches Fitnessgeraet: Leyland PD3 No.311 (PHJ950) von 1958 aus Southend-on-Sea an der Suedostkueste von Essex/England. 10l Sechszylinder (Direkteinspritzer) mit sportlichen 110PS. Keine Servolenkung, dafuer mit ordentlich schwergaengiger Schaltung (unsynchronisiert natuerlich), die Kupplung muss beim Hochschalten zweimal getreten werden (Kupplung treten, Gang herausnehmen, Kupplung loslassen, Kupplung treten und – schnell! – naechsten Gang einlegen. Wenn man’s kann, kann man sich das erste Treten sparen. Zwischengas beim Hochschalten ist Unsinn und kontraproduktiv, beim Herunterschalten jedoch unumgaenglich: Kupplung treten, Gang herausnehmen, Kupplung loslassen, ordentlicher Gasstoss, Kupplung treten und – schnell! – den gewuenschten Gang bei Uebereinstimmung der Drehzahlen von Getriebeeingangs- und -ausgangswellen einlegen ;-) ). Bei ordentlicher Auslastung des Busses mit Fahrgaesten wird das Fahren echt zum Kraftakt.

 

 

Ein Routemaster! RM98, aus dem ersten Baujahr 1958, aber ungleich moderner als der Leyland aus demselben Baujahr: vollautomatisches Getriebe, Servolenkung, Einzelradaufhaengung mit Doppelquerlenkern vorn, Spiralfedern vorn und hinten. Ebenfalls 10l Hubraum aus sechs Zylindern, ca. 120PS. Leergewicht von nur knapp 7 Tonnen dank Aluminium-Integralbauweise. Hochmodern war der Bus damals, die letzten ihrer Art waren regulaer bis 2005 im Einsatz, heute fahren noch 20 Stueck in London auf zwei Museumslinien in der City, nach ueber 50 Jahren im Einsatz eine reife Leistung. Noch immer sind gut und gerne 400 Stueck (von ehemals ueber 2,800) erhalten und auf der ganzen Welt im Einsatz oder im Museum oder im Garten oder….

 

 

Jaha, das bin ich in RML2289. Das “L” steht fuer long, wurden die Routemaster ab 1965 in einer etwas laengeren Ausfuehrung gebaut. Ansonsten waren sie voll und ganz identisch. Dieser hier (wie fast alle weiteren seiner Art) bekam 1991 einen modernen Dieselmotor von Cummins, als es nach 30 Jahren fuer die originale AEC-Maschine keine Ersatzteile mehr gab.

So sah er damals von aussen aus: mit grossen Werbetafeln auf beiden Seiten fuer das BoneyM Musical “Daddy Cool”.

 

Den hier, RML2386, habe ich ja regelmaessig in London durch die Gegend gefahren, das war ja mein Job (nach Ausbau zum Restaurant).

 

Wer Busfahren mag und Routemaster im Besonderen, der moechte sowas regelmaessig fahren, das macht naemlich Spass! Die Dinger sind unglaublich wendig dank ihrer geringen Laenge (um 9m) und der weit vorn angeordneten Vorderachse.

 

Und genau das will ich nun hier fortsetzen. Eine Firma im Suedosten, in Kent, sucht Freizeitbusfahrer fuer Routemaster und deren Vorlaeufer RT (ganz oben auf der Seite im roten Bereich zu sehen) bei angemessener Bezahlung, da werde ich demnaechst mal zum Probefahren antreten. Daumen druecken!