Leben in London
Tablet Computer
Alle Welt redet von Tablets, Smartphones, Android, Apple & Co. Ich auch. Ein paar Grundlagen zum Thema.
Grundlegendes: iPhone, iOS, Android
Das iPhone mit iOS Betriebssystem
2007 erschien das erste iPhone. Es kombinierte die Funktionen der bereits seit längerem erhältlichen digitalen PDAs (Personal Digital Assistant, ein digitales Notizbuch mit berührungsempfindlichem Bildschirm sowie mit Kalender- und Mailfunktionen) mit denen eines Mobiltelefons: das Smartphone war geboren. Ein Smartphone hat in aller Regel keine mechanische Tastatur wie ein herkömmliches Mobiltelefon, sondern wird komplett über den mehr oder weniger die ganze Gerätefront bedeckenden Bildschirm bedient. Es gibt aber auch ein paar Ausnahmen, die bekannteste dürfte der "Blackberry" des Herstellers RIM (Research in Motion) sein.
Der Erfolg des iPhones war von Beginn an riesig und ebnete den Weg vieler anderer Hersteller, die mit erheblich preiswerteren Geräten auf den Markt drängten. Viele davon wurden als "iPhone-Killer" angepriesen, keines hat allerdings dem iPhone stückzahlenmäßig je das Handtuch reichen können. Die Software der Konkurrenzprodukte basierte auf eigenen Entwicklungen der Hersteller (wie z.B. beim Blackberry von RIM), bei vielen kam auch Microsoft Windows Mobile in den Versionen 5, 6 und 6.5 zum Einsatz. Während das iPhone von Beginn an ohne einen Stylus auskam, benötigten alle anderen Geräte diesen Stift, mit dem Eingaben über den berührungsempfindlichen Bildschirm vorgenommen wurden: das iPhone nutzte einen auf Berührung mit dem Finger reagierenden kapazititven Touchscreen, die Konkurrenz billigere resistive, die auf punktuellen mechanischen Druck angewiesen sind, die für diese Art der Benutzerführung ausgelegten Betriebssysteme verlangten dies. Vor allem Windows Mobile war auf die Bedienung mit dem Finger (wie beim iPhone) nicht ausgelegt, weshalb manche Hersteller, wie die taiwanesische Firma HTC, eigene Bedienoberflächen über die Windows-eigene legten, was aber nicht annähernd zum Bedienkomfort des iPhone herankam.
iOS, das Betriebssystem des iPhone, ist ganz auf die Bedienung mit dem Finger ausgelegt. Es besitzt eine gut funktionierende Bildschirmtastatur und die ganze Bedienung des Geräts ist sehr gut intuitiv möglich. Es gibt nur eine Hardware-Taste, die einen aus jedem Programm auf den Hauptbildschirm zurückbringt oder bei längerem Drücken zu Untermenüs führt. iOS ist ein nach außen geschlossenes System, das keine Manipulation durch Dritte erlaubt. Nachinstallierbare Programme, so genannte Apps (applications), sind über den Apple-eigenen Appstore iTunes zu beziehen, teilweise kostenlos, zum Teil gegen Bezahlung. Apple entscheidet über Wohl und Wehe und läßt nur intern überprüfte Programme zu. Programmierer müssen dafür bezahlen, dort Programme anbieten zu dürfen ($99 jährlich). Etwa 100.000 verschiedene Programme stehen zum Download
Während Windows Mobile durchaus als multitastkingfähig bezeichnet werden kann, ist das iPhone auf eine Anwendung zur Zeit beschränkt, im Hintergrund kann allenfalls Musik abgespielt oder Nachrichten empfangen werden.
Android
Bereits 2005 wurde die amerikanische Firma mit dem Namen Android gegründet, die sich mit der Programmierung von Software für Mobiltelefone beschäftigte. Hier hatte man begonnen, eine neue und auf dem frei und kostenlos erhältlichen Betriebssystem Linux basierende Software zu entwickeln. Google war 2007 auf der Suche nach einer solchen Start-Up-Firma und schluckte Android kurzerhand. Das Betriebssystem wurde weiterentwickelt und unter der GNU-Lizenz 2008 als OpenSource frei zugänglich gemacht. Jeder durfte und darf Android für seine Zwecke benutzen und umprogrammieren, es darf nur nicht als Einzelprodukt verkauft werden. In demselben Jahr kam das erste Mobiltelefon, ein Smartphone, auf den Markt: das HTC Dream, bei T-mobile wurde es weltweit mit großem Erfolg als G1 vermarktet. Es bediente sich Android in seiner Version 1.5 ("Cupcake") als Betriebssystem.
Android ist auf den ersten Blick dem iOS recht ähnlich, weil es wie dieses mit dem Finger bedient wird und vorwiegend mit farbigen Icons oder großzügigen Menüs als Schaltflächen arbeitet. Anders als beim iPhone sind diese jedoch auf anfangs drei, mittlerweile (Version 2.2) fünf unabhängigen Arbeitsflächen (Home Screens) wie von Windows oder ähnlichen Systemen gewohnt, frei anzuordnen. Ebenso können hier Miniprogramme, sogenannte Widgets, positioniert werden, die z.B. die letzten Nachrichten zeigen, die Uhrzeit oder das Wetter, die letzten Facebook-Nachrichten, Tweets oder Aktienkurse. Zwischen den nebeneinander angeordneten Arbeitsflächen wird gewechselt, in dem man mit einem Finger quer über den Bildschirm "wischt" und damit quasi den Hintergrund verschiebt und damit alle darauf abgelegten Icons und Widgets. Android ist voll multitaskingtauglich, man kann gleichzeitig Nachrichten senden und empfangen, im Internet browsen, Musik abspielen und ein Spiel spielen. Jedoch ist, vor allem aufgrund der geringen Bildschirmgröße, immer nur ein Programm zur Zeit sichtbar, alles andere spielt sich im Hintergrund ab, ohne jedoch eingefroren zu werden. Genzen sind hier nur durch Rechenleistung (bei aktuellen Geräten bis zu 1.3 GHz) und Arbeitsspeicher (zwischen 128 und 512MByte) gesetzt.
Android ist stark auf das Zusammenspiel mit Google-Produkten ausgerichtet, als Voraussetzung "muß" ein Googlemail-Konto vorhanden sein (es geht auch ohne). Mit dem wird das Adreßbuch bei jeder Online-Verbindung (WLAN, UMTS) abgeglichen, so daß immer ein Backup vorhanden ist. In das Adreßbuch sind in der aktuellsten Version von Android auch die modernen Social Media Plattformen Twitter, Facebook und Buzz eingebunden, native Anwendungen für die beiden ersten sind in das Betriebssystem implementiert und lassen sich nicht löschen. So kann man aus dem Adreßbuch heraus z.B. direkt eine Nachricht an einen Facebook-Kontakt senden, denn sämtliche Kontaktinformationen werden dort zuammengeführt und vorgehalten. Es feht leider nach wie vor eine Geburtstags-Erinnerungsfunktion, die mit dem Google-Kalender (der ebenfalls mit der Online-Version im Google-Konto synchronisiert wird) arbeitet.
Google bietet einen Android Market Place an, aus dem, analog zu Apple, derzeit über 100.000 Anwendungen heruntergeladen und automatisch installiert werden können. Auch hier gibt es freie und kostenpflichtige Programme, die Preise variieren zwischen 1 und etwa 10 Dollar. Google hat für Programmierer keine Zugangsbeschränkungen zum Marketplace, der Anbieter muß sich aber mit den Google-Regeln einverstanden erklären, die z.B. die Verträglichkeit mit verschiedenen Geräten umfaßt. Es gibt außerdem freie Softwareanbieter im Internet, die meistens ähnlich wie das Google-Angebot arbeiten. Teilweise ist jedoch das Installieren der Software nicht für Anfänger geeignet. Google muß jeden neuen Gerätetyp freischalten, damit der Marktplatz genutzt werden kann. Dies erfolgt jedoch in aller Regel nicht für die neue Gattung der Tablet-Computer (quasi ein Notebook ohne Tastatur). Hintergrund ist, daß diese Geräte keine Smartphones sind, für die der Markt aber ins Leben gerufen wurde. Tablet-Computer weichen in ihrem Funktionsumfang (Bildschirmgröße und -auflösung, Prozessoren, Telefonfunktion, UMTS) teilweise erheblich von Smartphones ab. Erst mit Einführung der Android-Version 2.4 ("Honeycomb") soll Gerüchten zufolge auch für Tablet-Computer der Zugriff auf den Marketplace ermöglicht werden, spätestens aber mit der Version 3.0 ("Ice Cream").
Tablet-Computer
Eine Nische unterhalb der Laptops und Notebooks haben vor einiger Zeit die sogenannten Netbooks gefüllt: kleine Notebooks mit Bildschirmdiagonalen zwischen 7 und 10" (normal große Notebooks haben etwa 15" Diagonale). Diese hochmobilen Computer sind Miniaturen in jeder Hinsicht: Bildschirmgröße und -auflösung sind kleiner (klein!), aber auch die Tastatur ist vor allem bei den ganz kleinen Geräten mit 7 oder 9" recht klein, so daß damit eigentlich nicht ernsthaft länger gearbeitet werden kann. Netbooks sind dann auch eher – ihr Name suggeriert es bereits – zum Surfen unterwegs oder zum Lesen von sogenannten eBooks, elektronischen Büchern, konzipiert. Hier wie dort stört jedoch die Tastatur, die man ohnehin nur rudimentär benötigt. Wieder einmal war es Apple, wo man den konsequenten Schritt gegangen ist, die Tastatur wegzulassen, das iPad war erfunden (was man dort allerdings bereits seit 2000 mit einigen Unterbrechnungen versucht hatte, die Zeit (und die Technik!) war aber noch nicht reif). Das iPad gehört wie seine Mitbewerber zur Gruppe der Tablet-PCs oder auch Slates (Schiefertafeln).
Das iPad
Das iPad ist vereinfacht dargestellt ein iPhone etwa im Maßstab 3:1 (Bildschirmdiagonale knapp 10" statt 3.5") und ohne dessen Kamera und Telefonfunktionen. Durch den erheblich größeren Bildschirm, über den das iPad auch bedient wird, läßt es sich besser nutzen zum Ansehen von Videos oder zum Surfen im Internet. Die Auflösung beträgt 1024×768 Punkte, was dem Verhältnis 4:3 entspricht. Das Gerät läßt, wie auch die ersten drei Versionen des iPhone, keine Erweiterung des internen Speichers mittels Speicherkarten zu, es können auf diese Weise also auch keine Daten (Bilder, Musik, Videos) auf das Gerät übertragen werden, hierfür muß immer der Umweg über iTunes auf dem damit notwendigen Hauptrechner erfolgen. USB-Buchsen für den Anschluß von Speichersticks oder externen Festplatten fehlen ebenso wie ein Mikrofon und ein Video-Ausgang. Wie das iPhone hatte auch das iPad dank der unzähligen Fans von Apple-Produkten und dem Fehlen von Konkurrenzangeboten einen riesigen Erfolg, bereits 60 Tage nach seinem Verkaufsstart Anfang April 2010 hatte Apple 2 Mio Stück verkauft, eine weitere Million nur 20 Tage später.
iPad-Konkurrenz
Dell Streak
Die Konkurrenz schläft nicht, sollte man meinen. Dell war der erste Hersteller, der mit dem Streak ein Gerät auf den Markt brachte, das seltsamerweise, aber auch vorhersehbar, als iPad-Killer dargestellt wurde. Es arbeitet mit Android in der Version 1.6 ("Donut"), hat einen nur knapp 5" großen Bildschirm (kapazitiv wie beim iPad) mit 800×480 Bildpunkten und ist eigentlich ein sehr groß geratenes Smartphone. Man kann mit ihm "ganz normal" telefonieren, es weist eine Digitalkamera mit 5 Megapixel auf, hat Bluetooth, GPS, elektronischen Kompaß, Beschleunigungssensoren, WLAN und UMTS. Der interne Speicher ist per MicroSD-Karten erweiterbar bis 32GByte.
Samsung Galaxy Tab
Auch dieses Gerät ist ein Mobiltelefon, wenngleich man ein Headset benötigt, um mit der, dem oder den Liebsten zu telefonieren. Die Bildschirmdiagonale von 7" ist optisch bereits doppelt so groß wie die des Streak, der 1GHz "Hummingbird" Prozessor macht es zudem recht flott, wozu auch die erheblich fortgeschrittene Android Version 2.2 ("Froyo" oder "Frozen Yoghurt") beiträgt. Dem Gerät ist großer Erfolg beschieden, es ist noch nicht zu groß für die Handtasche, aber auch nicht mehr so klein, daß man damit nicht längere Surforgien im Internet erledigen oder Videos schauen könnte.
Archos 50, 70 und 101
Die chinesische Firma Archos hat eine Reihe von recht interessanten Geräten zu fairen Preisen herausgebracht, die aus der Masse der unzähligen sonst noch auf dem Markt zu findenden China-Importen dank guter technischer Ausstattung herausstechen. Die Telefonfunktion fehlt hier, daher handelt es sich um reine Tablet-Computer mit den Bildschirmdiagonalen 5, 7 und 10".
WeTab
Das WeTab ist eine deutsche Entwicklung der Berliner Firma Neophonie und vielleicht am ehesten als iPad-Konkurrenz zu bezeichnen. Größe und Bauform sind sehr ähnlich, als Betriebssystem kommt die Gemeinschaftsentwicklung von Intel und Nokia, MeeGo, zum Einsatz. Ferner gibt es eine Möglichkeit, Android-Anwendungen zu benutzen. Das WeTab ist vorwiegend auf das Browsen von Internetseiten und das Lesen von Magazinen und Tageszeitungen ausgelegt, dafür haben ein paar Magazine wie z.B. der stern spezielle Anwendungen für das WeTab entwickelt. Das Gerät kam im September 2010 auf den Markt, hat aber mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen sowie Imageproblemen durch immer wieder verschobene Verkaufsstarts und nicht zuletzt gefälschte top-Bewertungen bei Amazon, wo das Gerät gekauft werden kann.
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