Docklands, hatten wir vorgestern schon einmal. Allerdings bezieht sich diese halboffizielle Bezeichnung der neuentwickelten Bebauung und Nutzung der Isle of Dogs in East London mehr auf dieses Stück Land innerhalb der Themseschleife.

Die weiter östlich liegenden Royal Docks wurden 1855 bis 1921 erstellt, als die Docks auf der Isle of Dogs und auf der Südseite (Bermondsey) zu klein wurden und nicht mehr erreichbar war durch die schmaler und flacher werdende Themse für die immer größer werdenden Dampfschiffe. Sie bestehen in erster Linie aus dem Royal Victoria Dock, dem Royal Albert Dock und dem King George V Dock, südlich des Victoria Dock liegt das sehr viel kleinere Graving Dock.

Die Docks rund um die Isle of Dogs im Jahr 1882 (aus: Wikipedia Commons)

Die Wasserfläche beträgt 1km² und ist damit die größe künstlich erschaffene Dockanlage der Welt. Das ganze Gebiet umfaßt gut 4.5km², was der kompletten Fläche Central Londons von der Tower Bridge bis Hyde Park entspricht. Die Docks wurden im zweiten Weltkrieg von – wem wohl? – den Deutschen stark beschädigt, die fünf ehemals weit bis zur Längsachse des Royal Victoria Docks ragenden Kais mit Lagerhäusern wurden beim Wiederaufbau entfernt, die Wasserfläche damit nochmals vergrößert. In den 1960er Jahren begann die flächendeckende Einführung von Überseecontainern, die Bedeutung der Docks nahm damit immer mehr ab, bis sie ab Anfang der 1980er Jahre nutzlos wurden und verfielen. In den 1990er Jahren begann eine Neuentwicklung des Gebiets, womit nahezu die gesamte alte Bebauung abgerissen wurde, nur ein riesiges – allerdings stark renovierungsbedürftiges – Mühlengebäude samt Silogebäude ist übrig geblieben (und einige wenige kleinere Bauwerke vor allem am Royal Victoria Dock).

Spiller's Millennium Mills am 2. Oktober 2010

Die alten Ladekräne wurden in größerer Anzahl beibehalten und optisch restauriert, sind jedoch nicht mehr funktionsfähig. Zwischen den parallel verlaufenden Royal Albert und King George V Docks entstand der London City Airport.

Das Royal Albert Dock in östlicher Richtung am 2. Oktober 2010

Gleiche Stelle, gleiche Richtung, im Jahr 1973 (aus: Wikipedia Commons)

Die westliche Zufahrt zu den Docks über das ehemalige Tidal Basin ist nun zugeschüttet, die Docks sind aber von der Themse aus noch über das östliche Albert Basin zu erreichen. Die Wasserflächen werden nun nahezu ausschließlich für Wassersport genutzt.

Die südlich der Docks liegende Besiedlung – Silvertown – hat ihre Bedeutung als Beheimatung der Dockarbeiter schon lange verloren (der Name stammt von der ursprünglich hier ansässigen Gummifabrik Silver). Auch wenn die Docklands Light Railway (DLR) mit Strecken jeweils nördlich und südlich der Docks die Verkehrsanbindung zur Stadt erheblich verbesser hat, macht sie die Gegend- vor allem vor dem Hintergrund der riesigen Zuckerraffinerie Tate&Lyle, wenig lebenswert.

Straße in Silvertown mit der Tate&Lyle-Raffinerie im Hintergrund am 2. Oktober 2010

Die Eisenbahnstrecke, die Woolwich Railway (später North London Line), die damals die Anbindung nach Stratford und weiter Richtung Westen und Nordosten sicherstellte, ist seit 2006 eingestellt, die DLR hat die Funktion komplett übernommen.

Silvertown Railway Station am 2. Oktober 2010

Ich könnte hier noch eine Menge mehr schreiben, denn interessant ist die Gegend allemal. Dazu möchte ich mich dort aber bei besserem Wetter nochmal umschauen, gestern hat’s durchgehend nur geregnet.