Leben in London
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Night Shift
31. Jan
Mein Job bringt es mit sich, daß ich manchmal auch nachts arbeiten muß, nämlich wenn Arbeiten anstehen, die tagsüber bei Gastbetrieb nicht möglich sind. Und so startete mein Arbeitstag gestern Abend um 9, die Wände der Küche sollten mit Edelstahlblechen vergekleidet werden, wozu jede Menge Geräte in dem winzigen Raum verrückt werden mußten. Dank Hilfestellung durch einen netten Kollegen ging das ganze einigermaßen flott von der Hand: einer hielt die vorgefertigten Bleche an, der andere markierte durch die bereits vorhandenen Befestigungsbohrungen die Bohrlöcher in der Wand. Diverse Bleche waren falsch bemaßt, d.h. derjenige, der zuvor die Küche ausgemessen hatte, hat falsch bestellt. Ich war's nicht
An einer Wand verlaufen Abwasserleitungen für die Spülbecken und zwei dubiose Zuläufe, die offenbar vom Nachbarn kommen, so genau ist das nicht feststellbar. Diese Rohre waren schon länger hier und da undicht oder aus einem 1m hohen und oben offenem Steigrohr lief dubioserweise manchmal Wasser aus…. Eine Überholung war also fällig, die neuen Rohre und Bögen waren bereits vor längerer Zeit geliefert worden, die alten Rohre schnell entfernt, aber natürlich wieder unter Ausösung des Ekelarams. Das Rohr vom Nachbarn war etwa 1m nach Eintritt in unsere Küche mit Styoropor verstopft, dahinter staute sich eine Menge stinkender Flüssigkeit, die die Herkunft nicht verleugnen konnte: offenbar befindet sich nebenan ein Pissoir…
Auch die Rohre waren schnell verlegt, die zusätzlich zu bohrenden Löcher im Edelstahlblech für die Rohrschellen kosteten diverse Bohrer das Leben, denn Edelstahl ist extrem zäh.
Weihnachten in London
19. Dez
Ein neuer Job ermöglicht nicht immer auch freie Urlaubseinteilung gleich nach den ersten Wochen. So auch bei mir: während der Schließzeit der Restaurants soll in einer der beiden Filialen der Küchenfußboden erneuert werden, dabei soll ich das Ausräumen der Geräte und das Entfernen der vier bekannten Fußbodenlagen (Fliesen, Zement, dünnes Holz, PVC-Belag, von oben nach unten) am 26.12. "leiten". Das heißt allerdings auch, daß ich meine Heimreise erst am 28. früh morgens werde antreten können. Früh heißt früh: der Zubringerbus verläßt Marble Arch um 4.07AM, vorher muß ich noch per Cab dorthin. Am 5.1. geht's dann wieder zurück.
Naja, was soll's, dann wird eben Heilig Abend im Bierhaus verbracht, am 25. ist ein kleines Weihnachtsessen mit Lena angesagt, einer Bekannten, die nach gut einem Jahr London in den ersten Januartagen wieder verlassen wird und wieder zurück nach Deutschland zieht.
Any news? No.
25. Nov
Könnte der kürzeste Artikel werden bisher…
Der Job macht Spaß, das Ergebnis beinahe jeder Arbeit ist anschließend zu sehen, zu fühlen, zu hören, jedenfalls irgendwie zu bemerken. Und das macht Spaß.
Und die Bandbreite nimmt noch immer zu, nun befasse ich mich auch mit der Bauftragung von Glasern und Klimaanlagentechnikern (nach einer Eingangsdiagnose), muß verputzen, schrauben, elektrisieren, Drucker reparieren, Wasserver- und -entsorgung sicherstellen, die Ursache durch die Decke ins Kellergeschoß tropfenden Wassers beheben, Spülmaschinen reparieren und reinigen, Abfall beseitigen, Rigipsarbeiten durchführen, Handbücher zu Geräten im Internet recherchieren, Glühlampen tauschen (täglich…), Zapfhähne festschrauben, Lautsprecher wieder laut sprechen lassen, Lichterketten aufhängen, Lüfter reparieren, Türriegel und -griffe anbringen, abschließbare Fenstergriffe aufbohren (Schlüssel verloren…) und erneuern usw.
Macht Spaß! Ist aber auch anstrengend… Aber es ist total schön, sich in London's Innenstadt herumzutreiben, und zwar zweckorientiert statt mehr oder weniger ziellos. Hatte ich schon erwähnt, daß ich ja jetzt einer von IHNEN bin? Ich arbeite ja in der City of London, dem Herzen der Stadt, der Keimzelle, dem Banken- und Büroviertel.
Achso, nette Kollegen habe ich auch, nettes Arbeitsklima herrscht, am Sonntag ist Weihnachtsfeier (von der ich mich vermutlich ab einem bestimmten Alkoholpegel meiner Kollegen recht zeitig verabschieden werde), Essen und Trinken ist umsonst, was will man mehr?
Ekeltag
12. Nov
Ich bin jetzt seit einer Stunde zu Hause, der dritte Tag im neuen Job ist absolviert. 'Anstregend' ist eine der passenderen Umschreibungen für meine Arbeit, treppauf-treppab, Leiter schleppen, in Zwischenböden auf einem schmalen und in 60cm-Abständen angeordneten Lattengerüst (dazwischen nicht tragende Rigipsplatten mit Durchfallgerantie) herumkriechen ist durchaus erschöpfend.
War's bislang bestensfalls staubig einstweilen, wurde es heute echt eklig. Den Anfang (zum Eingewöhnen) machte ein Kühlschrank, aus dem ständig Wasser lief. Klarer Fall: Ablauf für das Tauwasser verstopft. Die Auffangwanne ist natürlich so angebracht, daß man diesen purpose-built Kühlschrank von hinten öffnen und das (angefrorene) Styropor dahiner entfernen muß, um dran zu kommen. Gesagt, getan, ein Mann, ein Wort. Die Rinne war schleimig, nicht lecker, aber auch nicht wirklich schlimm.
Das Interludium wurde präsentiert von HP2840, ein all-in-one-Farblaserdrucker, der nur noch halbe Seiten druckte. Das Symptom ist bekannt, die Lösung auch, allerdings muß dafür das Gerät grob zerlegt werden. Hatte ich gestern schonmal, ohne Besserung, heute, nach Forenstudium, wußte ich mehr. Also nochmal zerlegt, innen natürlich alles voller Toner, aber elkig ist anders. Und zwar so:
Hilfe, zu viele Jobangebote!
09. Nov
Ja ist denn das….?
Naja, etwas übertrieben ist es vielleicht. Ich hatte ja gestern berichtet, daß ich ab morgen als Hausmeister Karriere machen werde. Parallel hatte ich bereits vor mehreren Wochen eine Bewerbung an die East London Bus Group geschrieben, die permanent Busfahrer suchen. Die schrieben mir nun heute, daß sie mich gern am 17. November um 7.45 würden sehen wollen für eine Vorausscheidung. Ferner sah ich dann heute noch ein Jobangebot im Fenster vom Job Centre in Lewisham, das sich an einen deutschsprechenden Menschen richtete: man sucht einen Online Data Evaluator und zahlt dafür 28.000 pro Jahr, dafür muß man befristete 11 Monate in Dublin arbeiten. Ich gehe davon aus, daß es sich hier um Euro handelt, nicht um Pfund (was ja momentan nicht so richtig ins Gewicht fällt). Genau dieser Job ist bereits vergeben, aber es gibt besonders in Dublin unzählige und wirklich gut bezahlte Jobs für deutschsprechende.
Was will ich denn nun eigentlich? Ich weiß es doch auch nicht.
Busfahren wäre mal toll, aber jetzt, wo der Job quasi vor der Haustür stehen könnte, wird mir mulmig. Jeden Tag mindestens acht Stunden am Steuer, Schichtdienst, für um die 10 Pfund pro Stunde. Nicht SO schlecht für hiesige Verhältnisse, aber in Anbetracht des Aufwands und der Gefahren, die dieser Job bringt, auch wieder nicht so doll.
Nach Dublin ziehen? Zurück in die real existierende EU? Euro? Weit weg von London, andere Kultur, ach nee, laß ma.
Hausmeister? Naja, ich werde das ab morgen erstmal testen. Dank Probezeit kann ich ja anfangs täglich kündigen.
Aber das Geld in Dublin reizt mich schon ein klein wenig…