Leben in London
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London Royal Docks
03. Okt
Docklands, hatten wir vorgestern schon einmal. Allerdings bezieht sich diese halboffizielle Bezeichnung der neuentwickelten Bebauung und Nutzung der Isle of Dogs in East London mehr auf dieses Stück Land innerhalb der Themseschleife.
Die weiter östlich liegenden Royal Docks wurden 1855 bis 1921 erstellt, als die Docks auf der Isle of Dogs und auf der Südseite (Bermondsey) zu klein wurden und nicht mehr erreichbar war durch die schmaler und flacher werdende Themse für die immer größer werdenden Dampfschiffe. Sie bestehen in erster Linie aus dem Royal Victoria Dock, dem Royal Albert Dock und dem King George V Dock, südlich des Victoria Dock liegt das sehr viel kleinere Graving Dock.
Die Wasserfläche beträgt 1km² und ist damit die größe künstlich erschaffene Dockanlage der Welt. Das ganze Gebiet umfaßt gut 4.5km², was der kompletten Fläche Central Londons von der Tower Bridge bis Hyde Park entspricht. Die Docks wurden im zweiten Weltkrieg von – wem wohl? – den Deutschen stark beschädigt, die fünf ehemals weit bis zur Längsachse des Royal Victoria Docks ragenden Kais mit Lagerhäusern wurden beim Wiederaufbau entfernt, die Wasserfläche damit nochmals vergrößert. In den 1960er Jahren begann die flächendeckende Einführung von Überseecontainern, die Bedeutung der Docks nahm damit immer mehr ab, bis sie ab Anfang der 1980er Jahre nutzlos wurden und verfielen. In den 1990er Jahren begann eine Neuentwicklung des Gebiets, womit nahezu die gesamte alte Bebauung abgerissen wurde, nur ein riesiges – allerdings stark renovierungsbedürftiges – Mühlengebäude samt Silogebäude ist übrig geblieben (und einige wenige kleinere Bauwerke vor allem am Royal Victoria Dock).
Die alten Ladekräne wurden in größerer Anzahl beibehalten und optisch restauriert, sind jedoch nicht mehr funktionsfähig. Zwischen den parallel verlaufenden Royal Albert und King George V Docks entstand der London City Airport.
Die westliche Zufahrt zu den Docks über das ehemalige Tidal Basin ist nun zugeschüttet, die Docks sind aber von der Themse aus noch über das östliche Albert Basin zu erreichen. Die Wasserflächen werden nun nahezu ausschließlich für Wassersport genutzt.
Die südlich der Docks liegende Besiedlung – Silvertown – hat ihre Bedeutung als Beheimatung der Dockarbeiter schon lange verloren (der Name stammt von der ursprünglich hier ansässigen Gummifabrik Silver). Auch wenn die Docklands Light Railway (DLR) mit Strecken jeweils nördlich und südlich der Docks die Verkehrsanbindung zur Stadt erheblich verbesser hat, macht sie die Gegend- vor allem vor dem Hintergrund der riesigen Zuckerraffinerie Tate&Lyle, wenig lebenswert.
Die Eisenbahnstrecke, die Woolwich Railway (später North London Line), die damals die Anbindung nach Stratford und weiter Richtung Westen und Nordosten sicherstellte, ist seit 2006 eingestellt, die DLR hat die Funktion komplett übernommen.
Ich könnte hier noch eine Menge mehr schreiben, denn interessant ist die Gegend allemal. Dazu möchte ich mich dort aber bei besserem Wetter nochmal umschauen, gestern hat’s durchgehend nur geregnet.
Docklands Museum
02. Okt
Regenwetter sei ja optimale Bedingung für Museumsbesuche, hört man immer wieder. Unerwähnt bleibt dabei jedoch, wie man trockenen Fußes zum Museum gelangt. Das Docklands Museum zu besuchen, stand schon länger auf meinem Plan, heute regnete es, also ging ich los. 25 Minuten Fußmarsches später und bereits ziemlich naß erreichte ich den Bahnhof Stratford, die DLR brachte mich dann an den Ort des Geschehens.
Unter Docklands wird heute im allgemeinen das Konglomerat an Büro- und Wohnhäusern auf der Isle of Dogs verstanden, trifft aber im historischen Sinne nicht die Sache. Vielmehr rührt die Bezeichnung von den hier sowie westlich, südlich und östlich der (Halb-) Insel gelegenen Docks und zugehörigem sonstigem Gewerbe. Die vielen kleinen Überseehäfen und Docks entlang der Themse weiter flußaufwärts boten keinen Schutz gegen Eindringlinge und die Naturgewalten, so daß ab 1800 auf der Isle of Dogs neue und erheblich größere Docks mit modernen Lagerhäusern entstanden. Das erste war das North India Dock, gefolgt vom südlich davon liegenden South India Dock, erweitert um das weiter südlich liegende Millwall Dock. Um den aufkommenden und größer werdenden Dampfschiffen Platz zu gewähren, wurden ab 1850 die Royal Docks weiter östlich gebaut. Durch die Einführung von Überseecontainern in den 1960er Jahren verloren die Docks schnell an Bedeutung und verfielen nach und nach aufgrund von mangelnder Nutzung. Die meisten Hafenbecken existieren heute noch, im Zuge der Restrukturierung der Gegend wurden einige jedoch wenigstens teilweise zugeschüttet.
Dieses ganze Gebiet sowie die bis zum 2. Weltkrieg auf der Südseite der Themse gelegen weiteren Docks (Southwark, Wapping, Rotherhithe, Bermondsey) sind Umfang des Museums, das mit seinen Erzählungen in der Römerzeit beginnt und erst etwa im Jahr 2000 endet. Schade, daß ich schon um etwa 1200 ziemlich erschöpft und nicht mehr aufnahmefähig war, so daß ich die mich eigentlich am meisten interessierende Zeit ab etwa 1900 nur noch im Grobverfahren abgearbeitet und das Museum nach über 3 Stunden wieder verlassen habe. Schreit nach einer Fortsetzung.
Das Museum liegt an der nordwestlichen Ecke des West India Docks, DLR-Haltestelle West India Quays oder Jubilee Line in Canary Wharf verlassen. Der Eintritt ist kostenlos, das ganze ist sehr nett gemacht, aber man sollte definitiv Zeit mitbringen. Im Erdgeschoß gibt es ein großes Bistro mit für die Gegend typisch gehobenen Preisen, aber noch vertretbar.
[updated am 2.10.2010]






