Damit die (britischen!) koeniglichen Soldaten in Kriegen in laengst vergangenen Zeiten nicht dem falschen Anfuehrer – der falschen Fahne – nachliefen, wurde sie ihnen regelmaessig, naemlich taeglich, vorgefuehrt. Dieses Vorbeifuehren an den formierten Soldaten bezeichnet man als Trooping, die Farben der Flaggen eben Colour. Daraus hat sich die einmal im Jahr am zweiten Sonnabend eines jeden Juni stattfindende Tradition “Trooping the Colour” entwickelt. Das ganze findet statt auf der Horse Guards Parade in London, quasi auf dem Hinterhof von No.10 Downing Street. Ueber 1,400 ausgebildete Soldaten aus Infantrie, Artillerie und Kavallerie werden aufgefahren! Das ganze laeuft streng nach militaerischen Gepflogenheiten ab und das diensthabende Oberhaupt des Koenigshauses, derzeit Queen Elizabeth II, nimmt das ganze zu Pferd ab. Oder per Kutsche, wenn man, wie sie, nicht mehr zu den Juengsten gehoert. Wer sich hier tiefgruendiger mit der Materie beschaeftigen mag, dem sei Wikipedia empfohlen.

Die Queen bei der Abnahme der Parade

Die Queen bei der Abnahme der Parade 2007(c) User "Nakedcharlton", Flickr

Wie auch immer, mein guter Freund Ulf aus Berlin ist mit dem britischen Koenigshaus wohl erheblich besser vertraut als ich es vielleicht jemals sein werde und er sprach schon laenger von einer Teilnahme an den Festivitaeten. Man darf als Normalsterblicher naemlich nach vorheriger erfolgreicher Bewerbung um Eintrittskarten daran teilnehmen. Die offizielle Parade in Anwesenheit der Koenigin ist quasi unmittelbar ausverkauft, an den beiden Samstagen zuvor gibt es jedoch zwei Proben, von denen die erste von einem Generalmajor abgenommen wird, die zweite, quasidie Generalprobe, jedoch von einem mehr oder weniger bekannten Angehoerigen des Koenigshauses, in diesem Jahr der Royal Highness, the Duke of Kent. Kent ist schonmal gut und ein Duke kommt selten allein. Oder so. Ulf und ich jedenfalls werden am 4. Juni zusehen wie er sich so macht, ich habe zu dem Zweck fuer £10 pro Stueck zwei Eintrittskarten erstanden.

Ohne Boeses dabei zu ahnen. Aber natuerlich wird auf dieser Einladung gemaess britischer Gepflogenheiten ziemlich genau vorgegeben, welche Kleidung zu tragen ist. Waehrend der Herr Generalmajor noch den Anblick von gepflegter Freizeitkleidung ertragen muss, ist bei Anwesenheit saemtlicher Mitglieder des Koenigshauses entweder ein “Lounge Suit” oder “Jacket and Trousers (no denim)” zu tragen. Mit “no denim” faellt Jeans, mein Standard-Beinkleid, flach, nun ist guter Rat teuer, denn natuerlich verfuege ich nicht im Ansatz ueber etwas, das auch nur ansatzweise Aehnlichkeit mit einem Anzug haette. Gluecklicherweise gibt’s fuer diesen Zweck Verleiher, ich werde mich dann also mal schick in Schale werfen. Wenn das auch sonst gegen alle meine Gewohnheiten verstoesst, freue ich mich schon drauf. Morning Coat (3/4 lang, grau oder schwarz), waistcoat (passend grau oder schwarz), schwarze Hose (bei grauem Coat auch grau erlaubt), weisses Hemd und graue Kravatte sind mandatory. Schuhe! Schuhe brauche ich ja auch noch…. das wird eine teure Veranstaltung. Fotos zeigen jedoch vorwiegend die billigen bunten Touristen, mit knallgelbem Shirt und Kamera vor dem Bierbauch kommt man wohl auch hinein. Nein, wenn schon, dann mit klassischer Eleganz.

Wo wir dann schon mal so fein herausgeputzt sind, werden wir noch in einem der hoeherwertigen Hotels einen Afternoon Tea zu uns nehmen, mit Schnittchen (pardon, sandwiches), kleinen suessen Pies und natuerlich scones mit Butter oder cream und Marmelade.

Bleibt noch die Sache mit den Ohren…. ich glaube, da mache ich mir ueberhaupt keine Gedanken drueber. Toleranz ist hier schliesslich gesetzlich vorgeschrieben.